"1. April 2021 - Haider lebt"

28. September 2002, 01:09
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... doch nur bis Filmende: fiktive Ermordung Jörg Haiders in Heimat-Satire erhitzt FPÖ-Gemüter - Kärntner Obmann Strutz fordert Verbot

Klagenfurt - Zufällig zur rechten Zeit - nämlich im Wahlkampf - kommt ein Film in die österreichischen Kinos, der schon im Vorfeld für Aufsehen sorgt - vor allem in FPÖ-Kreisen. Peter Kerns "1. April 2021 - Haider lebt" wirft laut Süddeutscher Zeitung einen Blick in eine fiktive Zukunft, in der Jörg Haider doch noch Bundeskanzler wurde, die USA daraufhin Österreich als "Schurkenstaat" besetzten und eine "füllige Kostümschönheit" namens Susanne Riess-Passer die Flagge des Widerstands hisst.

Ihren Auftritt in der deftigen Satire des Wieners Regisseurs Peter Kern ("Fifty-Fifty", "Einer flog über das Arbeitsamt", "Domenica- Geschichte einer Hure") haben überdies Wolfgang Schüssel (gespielt von Günter Tolar) und natürlich Jörg Haider. Dass der am Ende des Films ermordet wird - übrigens von Wolfgang Schüssel-, erhitzt nun FPÖ-Gemüter.

Ruf nach Zensur

Ein Verbot des "Skandalfilms" fordert der Kärntner FP-Obmann Martin Strutz. Mit dieser Inszenierung hätten die Gegner Haiders jegliche Hemmschwellen an Moral, Anstand und Pietät überschritten.

Strutz verlangte, dass der Film zensuriert und die Veröffentlichung verhindert werde. Dieser "Skandalfilm" mache deutlich, dass der Nationalratswahlkampf 2002 der Schmutzigste und Übelste sein werde und die Schlammschlacht gegen die FPÖ keine Grenzen mehr kenne.

"Lachhaft"

Die Zensurforderung ist für den Regisseur Peter Kern lachhaft. "Die kennen den Film nicht, sie sollen ihn sich zuerst ansehen und dann meinetwegen nach einem Verbot rufen", erklärte Kern.

Der 53-jährige Kern, der in Wien geboren und aufgewachsen ist, drehte 1986 seinen ersten Kinofilm, "Eine Handvoll Vergnügen - Crazy Boys", der auf zahlreichen Filmfestivals lief, aber erst neun Jahre später in die Kinos kam. Der ehemalige Wiener Sängerknabe schrieb das Drehbuch für "Haider lebt" selbst, es sei satirisch angelegt, unterstrich Kern.

Prominenten-Schaulauf von Schindel bis Streeruwitz

"Es ist eine politische Satire und kein Dokumentarfilm", betonte auch Stephan Welan von der Einhorn-Film, die "1. April 2021" in die heimischen Kinos bringt. Es sei reiner Zufall, dass der Filmstart in die Zeit des Wahlkampfes falle. "Zum Zeitpunkt, als der Film gedreht wurde, konnte ja wirklich niemand wissen, dass und wann die Koalition platzt."

Zahlreiche österreichische Künstler wirken bei der Satire mit, unter ihnen Peter Turrini, Robert Schindel, Marlene Streeruwitz, aber auch Michael Schottenberg, Paulus Manker, Traute Hoess als Susanne Riess-Passer, Christine Kaufmann und Hilde Sochor, Heinrich Herki ist in der Rolle Jörg Haiders zu sehen. Der Film wird laut Welan von vorne herein als "Nur für Erwachsene" eingestuft.

ORF distanziert sich

Martin Strutz zeigte sich "besonders betroffen" darüber, dass der Film unter Mitwirkung von ORF-Mitarbeitern produziert worden sei und verwies auch auf die Beteiligung Tolars.

Der ORF erklärte allerdings in einer Stellungnahme, dass es sich bei "1. April 2021 - Haider lebt" um keine ORF-Produktion handle. "Es wirken auch keine Mitarbeiter des ORF dabei mit, Günter Tolar ist Pensionist", hieß es bei der Pressestelle. Außerdem werde der Film auch nicht im österreichischen Fernsehen gezeigt.

Günter Tolar weist die Kritik der FPÖ an seiner Rolle zurück. "Ich bin Schauspieler, und so wie man alles Mögliche spielt im Leben, habe ich diese Rolle gespielt." Im Übrigen kenne er den fertigen Film noch gar nicht, der Ruf nach Zensur schmecke ihm aber überhaupt nicht. Auch Tolar wies darauf hin, dass es sich bei dem Film um eine Satire handelt. (APA/red)

Details zur Handlung

Peter Kerns Webseite
(leider nicht top-aktuell)

Der Start von "1. April 2021 - Haider lebt" ist für den 6. November in einem Wiener Kino vorgesehen. Danach will Kern mit seinem Film auch in die Landeshauptstädte gehen, "so ferne die Kinos interessiert sind". Dies ist für den 14., spätestens aber den 21. November vorgesehen.
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Er ruft nach der Zensur: Martin Strutz

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