Verwirrung über Zwischenfall auf Frankfurter Flughafen

27. September 2002, 15:56
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Ein Entführungsversuch einer Passagiermaschine nach Tel Aviv soll nur eine Sicherheitsübung gewesen sein - Die Verdächtigen entkamen

Frankfurt/Berlin - Der angebliche Versuch einer Flugzeugentführung durch zwei bewaffnete Männer in Frankfurt am Main ist offenbar ein Sicherheitstest gewesen. Nach dem bisherigen Kenntnisstand habe es sich nicht um eine versuchte Entführung gehandelt, sondern um einen Test, sagte ein Sprecher des deutschen Verkehrsministerium am Freitag in Berlin. Diese Tests würden seit dem 11. September verstärkt vorgenommen. Einer der Männer habe ein Messer gehabt, ein anderer eine Spielzeugpistole. Der Vorfall werde weiter überprüft. Ein Sprecher des Innenministeriums betonte, der Bundesgrenzschutz (BGS) sei nicht an der Aktion beteiligt gewesen.

Die Lufthansa hatte zuvor bestätigt, dass zwei bewaffnete Männer nach Aussagen einer Sicherheitskraft an Bord einer Maschine kommen wollten. Der Vorfall ereignete sich demnach am vergangenen Samstag. Der Bundesgrenzschutz bestätigte ebenfalls die Zeugenaussage, meldete aber zugleich Zweifel daran an. Die Aussage sei von niemandem bestätigt worden, sagte ein BGS-Sprecher.

Lufthansa erstattete Anzeige gegen Unbekannt

Die Lufthansa erstattete Anzeige gegen Unbekannt. "Wir glauben unserem Mitarbeiter und nehmen die Sache sehr ernst", sagte Sprecher Thomas Jachnow. Einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", wonach der Kontrolleur möglicherweise eine Entführung verhindert habe, bezeichnete er allerdings als Mutmaßung.

Erfindung?

Dagegen erklärte der BGS, es gebe keine Beweise für die Darstellung des Kontrolleurs. "Niemand kann bestätigen, was der (Kontrolleur) gesagt hat", sagte ein Sprecher. "Das ist unmöglich, dass so etwas passiert." Außerdem seien die Angaben vage. Es könne sich auch um eine Erfindung handeln. Die Ermittlungen dauerten an.

Keine Überprüfung der Sicherheitskontrolle

Auch ein Fraport-Sprecher verwies darauf, dass es keine Belege für die Aussagen des Lufthansa-Kontrolleurs gebe. Eine interne Überprüfung der Sicherheitskontrolle habe zum fraglichen Zeitpunkt jedenfalls nicht stattgefunden. "Davon weiß man Bescheid. Von allen Beteiligten hat niemand gesagt, es habe eine Kontrolle stattgefunden." Auch die Sprecher von Lufthansa und BGS sagten, über einen Sicherheits-Check, also einer Überprüfung der Sicherheitskontrolle selbst, sei ihnen nichts bekannt.

Dagegen sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums, nach Informationen seines Hauses habe es sich offenbar um eine Sicherheitsüberprüfung gehandelt. Der Sicherheitskontrolleur habe bei der Überprüfung der insgesamt vier Männer bei zweien ein Messer und eine Spielzeugpistole entdeckt. Daraufhin habe einer von ihnen einen Polizeiausweis gezeigt und gesagt, der Sicherheitstest sei bestanden. Dann seien die Männer in einem Auto weggefahren. Details etwa zu dem Ausweis konnte der Sprecher nicht nennen.

Lufthansa-Sprecher Jachnow sagte, der Vorfall sei ein Beleg dafür, dass "niemand unbefugt in eines unserer Flugzeuge kommt. Unsere Sicherheitskräfte sind Profis." Was sich genau ereignet habe, müssten die Ermittlungen zeigen. Weiter wolle er über die Angelegenheit nicht spekulieren, sagte Jachnow.

Maschine startete planmäßig

Nach Angaben der Lufthansa wurde zum Zeitpunkt des angeblichen Zwischenfalls ein Airbus A340 für seinen Flug nach Tel Aviv beladen. Wie alle Maschinen in Richtung Israel habe das Flugzeug auf einer Außenposition gestanden. Die Maschine sei am Samstag planmäßig um 10.15 Uhr gestartet. (APA/Reuters)

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