Kopfschmerzpatienten gibt es bereits im Vorschulalter

29. September 2002, 17:01
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Bis zu 20 Prozent der Kinder betroffen - gegen Ende der Grundschulzeit sogar mehr als die Hälfte

Leipzig - Immer mehr Kinder leiden immer früher unter teilweise starken Kopfschmerzen. Schon im Vorschulalter sind 20 Prozent aller Buben und Mädchen betroffen, bis zum Ende der Grundschulzeit ist es sogar mehr als die Hälfte, wie Experten auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Leipzig berichteten. Bis zum zwölften Lebensjahr haben demnach fast 90 Prozent der Kinder schon Kopfschmerzerfahrung. Rund 60 Prozent von ihnen leiden unter so genannten Spannungskopfschmerzen, bis zu zwölf Prozent unter Migräne.

Meistens ernstere Ursache

"Wenn ein Kind über Kopfschmerzen klagt, stecken häufig ernst zu nehmende Ursachen dahinter", betonten die Experten. Kopfschmerzen selbst seien keine Krankheit, sondern nur das Leitsymptom einer inneren Störung. Eine Ausnahme bilde die Migräne, die als eigenständiges Leiden anzusehen sei. Generell sollten bei Kindern chronische Kopfschmerzen frühzeitig und wirksam behandelt werden. Doch gerade bei den ganz Kleinen seien diese Beschwerden häufig nur schwer zu erkennen. "Ein Hinweis könnte sein: Das Kind greift sich oft an den Kopf, es runzelt auffällig die Stirn oder zaust sich immer wieder die Haare", erklärten die Pädiater.

Begleiterscheinungen von Kopfschmerzen

Erkältungen, chronischer Schnupfen, rheumatische Entzündungen oder fieberhafte Infekte sind nach Angaben der Mediziner häufig von Kopfschmerzen begleitet. Sie könnten aber auch ernstere Organstörungen signalisieren, zum Beispiel Nierenentzündungen, Kopfverletzungen, Hirnhautentzündungen, Hirngeschwülste, Kiefer- oder Knochenerkrankungen oder Entzündungen der Nasennebenhöhlen bzw. des Mittelohrs. Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel bei Zuckerkranken oder ein zu hoher Blutdruck könnten ebenfalls für diese Beschwerden verantwortlich sein.

Sehfehler

Bei Buben und Mädchen im Schulalter seien chronische Kopfschmerzen auch oftmals die Folge von Sehfehlern. Einen häufigen Grund sehen die Ärzte ferner in zu hohen Anforderungen an das Kind beim Besuch eines Kindergartens oder der Schule. Erhöhte Aktivitäten beim Treffen mit Freunden oder intensive Unternehmungen mit den Eltern in der Freizeit könnten ebenso Kopfschmerzen provozieren wie ausgedehntes Fernsehen und Videospiele.

Kopfschmerztagebuch

Bei der Bekämpfung der Beschwerden sollte nach Ansicht der Mediziner die Vorbeugung eine besonders große Rolle spielen. Kopfschmerzen ließen oft rasch nach, wenn die Kinder Zuwendung und Ruhe erhielten. Eltern sollten auf die Faktoren achten, die bei ihrem Sohn oder ihrer Tochter die Schmerzen auslösten. Dies gelinge am besten, indem sie systematisch ein so genanntes Kopfschmerztagebuch führen.

Regelmäßige Essens- und ausreichende Schlafzeiten, viel Flüssigkeit und viel Bewegung an frischer Luft seien oft die besten Maßnahmen gegen das Leiden. Entspannend wirkten auch physikalische Verfahren wie Wärme und ätherische Öle, die auf Stirn und Schläfen einmassiert würden. Ähnliche Wirkungen ließen sich mit anderen Düften und mit entspannender Musik erzielen. Vor allem bei Spannungskopfschmerzen, aber auch bei Migräne, könne auch ein so genanntes TENS-Gerät helfen, das die Nackenmuskulatur elektrisch stimuliert. (APA/AP)

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