Konjunkturprognose klammert Irak-Krieg aus

27. September 2002, 14:41
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Jetziges Szenario noch optimistisch - Wifo-Chef Kramer: Zinsniveau senken

Wien - Die am Freitag vorgestellte revidierte Konjunkturprognose für 2002 und 2003 folgt einem eher optimistischen Szenario und unterstellt, dass es keinen Irak-Krieg geben wird, sagte der Leiter des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), Helmut Kramer, am Freitag. Die internationalen Annahmen, die das Wifo seiner Prognose zugrunde gelegt habe, decken sich - zufällig, wie Kramer vor Journalisten betonte - auf Zehntelprozent jenen, die der Internationale Währungsfonds (IWF) gestern veröffentlicht hat. Für die US-Wirtschaft wird demnach ein reales BIP-Wachstum von 2,6 Prozent im Jahr 2003 angenommen bzw. 2,3 Prozent im heurigen Jahr.

Als Grundlage für den erneuten Aufschwung nach dem heurigen Zwischentief nannte Kramer bisherige Erfahrungen, dass derartige schwache Konjunkturphasen nicht länger andauern als zwei bis drei Quartale. Dann sollte sich der Lageraufbau stabilisiert und auch das Börseklima wieder beruhigt haben, nachdem bis Ende 2002 die Luft aus der großen Spekulationsblase entwichen sei. Außerdem seien zwei Jahre mit sinkenden Investitionsraten hintereinander schon vorgekommen, drei aufeinanderfolgende Jahre aber noch nie.

Kramer: Zinsniveau senken

Kramer adressierte aber auch eine Botschaft an die Europäische Zentralbank: "Ich meine, dass das Zinsniveau in Europa niedriger sein sollte". Wenn die EZB im heurigen Frühjahr ihre Zinspolitik als angemessen bezeichnet habe, stelle sich die Frage, ob diese Aussage bei der verschlechterten Konjunktursituation noch zu halten sei. Als Spielraum für eine Zinssenkung sieht Kramer "50 Basispunkte, mehr kann es wohl nicht sein". Die Politik sollte aber besser keine Ratschläge Richtung Frankfurt adressieren, "denn auf politischen Wunsch hin reagiert die Zentralbank eher gegenteilig".

Der Rohölpreis, der von beiden Instituten zwischen 24 und 26 Dollar je Fass im Zeitraum 2002 bis 2003 angesetzt wird, hat auf die Gültigkeit der heutigen Prognose ebensolchen Einfluss wie der Euro-Dollar-Kurs, wurde betont. Christian Helmenstein vom IHS wies darauf hin, dass ein länger dauernder Ölpreisanstieg um 10 Prozent eine Wachstumseinbuße um ein Viertel Prozentpunkt bedeuten würde. Felderer nannte als Grund für die nach unten revidierte Prognose 2002 u.a., dass der Euro zum Dollar um 13 Prozent im heurigen Hochsommer höher gewesen sei als im ersten Quartal 2002. Weitere Gründe seien die schwache Inlandsnachfrage in Europa sowie die investitionsgüterlastige deutsche Exportstruktur. Für 2003 sehen sowohl Wifo als IHS eine Euro-Dollar-Parität, für heuer haben beide einen Kurs von 0,94 Dollar je Euro angenommen.

Kramer bezeichnete eine weitere Aufwertung des Euro zum Dollar als nicht sehr wahrscheinlich, angesichts der Wachstumsdifferenz zwischen Europa und den USA und der Aussagen, dass die Verlängerung der Budgetziele zum europäischen Stabilitätspakt dem Euro schaden könnte. (APA)

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