Wien: Alle Parteien gegen Palmers

27. September 2002, 17:31
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Fronten im Streit um das "größte Innenstadt-Einkaufszentrum" verhärten sich

Wien - Zuerst war es nur eine Handvoll Anrainer. Jetzt ist es eine Bürgerinitiative mit 1000 Unterschriften und sind es die im Bezirksparlament des siebten Bezirks vertretenen politischen Parteien, die das - wie Palmers es nennt - "größte innerstädtische Einkaufszentrum Europas" in der Mariahilferstraße verhindern wolle. Oder es zumindest in so verhindern wollen, wie es derzeit geplant ist.

Wie der Standard bereits im Frühling berichtete, plant der Palmers-Konzern eine Erweiterung des Kaufhaus Gerngroß im Komplex Mariahilferstraße 36-40. Der neue Gerngroß soll mit einer Verkaufsfläche von 50.000 Quadratmetern über fünf Stockwerke laufen. Im Zuge dessen sollen die Wohnhäuser Lindengasse 11 und 13-15 einem Neubau mit Tiefgarage, Ladehof und Wohnungen Platz machen.

"Unser Lebenszentrum wird dadurch zerstört durch Verkehr, Lärm und Abgase", ist Gerhard Falnbigl von der Bürgerinitiative überzeugt: "Statt auf Altbaufassaden zu schauen, würden wir in einer Garagengasse wohnen und wären zum Hinterhof der Mariahilferstraße degradiert."

"Es gibt in diesem Block schon 1000 Parkplätze. Bei weiteren bricht der Verkehr im Bezirk zusammen", kommentiert der grüne Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger das Vorhaben, und: "In der Lindengasse will ich das in dieser Form nicht." Er wundert sich außerdem über die Vorgangsweise der anderen Seite: "Was so unglaublich ist, ist, dass Palmers nicht spricht."

Gerngroß-Chef Andreas Liebsch sieht das anders. "Wir haben mit der Bezirksvorstehung dieses Projekt mehrmals besprochen, auch bei der Bürgerversammlung im Mai, wo die Anliegen der Anrainer eingeflossen sind, und wir haben es mehrmals modifiziert", sagt Liebsch auf Anfrage des Standard. Er verspricht, "in den nächsten Monaten" neue "Lösungen" anzubieten.

Lösungen stehen tatsächlich noch aus, denn Faustpfand in der Geschichte sind fünf Mieter in der Lindengasse mit unbefristeten Verträgen. (Eva Stanzl/DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2002)

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