Fremdengesetze behindern Aufbau des Europäischen Bildungsraums

27. September 2002, 13:56
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Hochschülerschaft warnt vor totaler Liberalisierung der Bildung

ÖH-Tagung über "Studentische Perspektiven für die Erweiterung" - Warnung vor GATS-Auswirkungen auf höhere Bildung

Wien - Mit den "Studentischen Perspektiven für die EU-Erweiterung im Zusammenhang mit der höheren Bildung" setzen sich derzeit rund 80 Studentenvertreter vor allem aus Osteuropa auf Einladung der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) bei einer Tagung in Wien auseinander. Bei einer Pressekonferenz am Freitag kritisierten Uni-Vertreter in diesem Zusammenhang fremdengesetzliche Bestimmungen, die den Aufbau des Europäischen Bildungsraums massiv behindern würden. "Wir müssen Mobilitätsbarrieren abbauen", sagte der Rektor der Universität für Bodenkultur (Boku), Leopold März.

Die von mittlerweile 34 Staaten unterzeichnete "Bologna-Erklärung", die eine Harmonisierung des europäischen Systems der höheren Bildung vorsieht (Stichwort: dreigliedriges Studiensystem mit Bakkalaureat als Erstabschluss), ist für Bettina Schwarzmayr von der ÖH eine große Chance, ein "positives Modell der Erweiterung zu schaffen". In der Umsetzung des Bologna-Prozesses seien vielfach mittel- und osteuropäische Länder führend. Es kranke aber oft - vor allem in Osteuropa - an der studentischen Mitbestimmung. Diese habe einen positiven Effekt auf die Qualität der Ausbildung und müsse daher garantiert werden.

Für März ist die "Vision Europa" nicht nur ein Wirtschaftsraum. Damit Europa auch ein großer Bildungsraum werden könne, müssten Mobilitätsbarrieren abgebaut werden. "Wissenschafter dürfen nicht mit irgendwelchen fremdengesetzlichen Hindernissen belästigt werden", sagte März, der sich für eine "europäische Bildungscharta" aussprach.

Fremdengesetze seien auch ein großes Hindernis für Austauschprogramme, erklärte Elisabeth Sorantin vom zentraleuropäischen Austauschprogramm CEEPUS, in dem derzeit Österreich, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien, Slowakei und Slowenien kooperieren. Rund 2.500 Personen würden pro Jahr im Rahmen des Programms eine Uni eines anderen zentraleuropäischen Lands besuchen, drei Viertel davon sind Studenten. Die Nachfrage im Rahmen des Programms sei drei Mal so groß als tatsächlich erfüllt werden könne, wünschenswert wäre neben dem Abbau rechtlicher Barrieren mehr Geld, um mehr Stipendienmonate finanzieren zu können.

Probleme orten die Studentenvertreter und Rektor März auch durch das geplante General Agreement on Trade in Services (GATS), das derzeit von der Welthandelsorganisation WTO verhandelt wird. März warnte vor einer totalen Liberalisierung der Bildung, die eine öffentliche Aufgabe bleiben müsse: "Das ist eine gefährliche Entwicklung." In Ost- und Südosteuropa würden bereits Privatuniversitäten unkontrollierbar überhand nehmen, ohne ausreichende Qualitätskontrolle. Seitens der Studierenden forderte Schwarzmayr, dass Bildung eine "qualitativ hochwertige, öffentliche Dienstleistung" bleiben müsse. (APA)

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