"Sister Web" wirft im Vatikan virtuelle Netze aus

27. September 2002, 13:01
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Amerikanische Franziskanerin für Internet-Auftritt des Heiligen Stuhls verantwortlich - Computer heißen Gabriel, Michael, Josef oder "der Prophet"

Viele im Vatikan nennen sie einfach "Sister Web". Als Computerexpertin des Heiligen Stuhls ebnete die US-Franziskanerin Judith Zoebelein der Kirchenführung bereits ab 1995 den Weg ins Internet. Sie entwarf den Netzauftritt unter http://www.vatican.va. Heute wird diese Website laut Kathpress täglich 1,5 Millionen Mal aufgerufen, von Usern aus mehr als 125 Ländern. Für Schwester Judith der Beweis dafür, dass sich die Weltorganisation Kirche erfolgreich im www etabliert hat.

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Papst-Porträts, Informationen über die Kurie, die Museen und Bibliotheken sowie Dokumente wie Enzykliken und Apostolische Schreiben - die Basis für eine umfassende Darstellung des Vatikans sei gelegt, meint die Ordensfrau. Jetzt gelte es, sie auszubauen und einzelne Angebote noch mehr zu vernetzen. Daran arbeitet sie mit fünf Ganztags- und fünf Halbtagskräften im vatikanischen Internet-Büro.

Erleuchtet

Computer reiht sich dort an Computer. Sie alle haben biblische Namen wie Gabriel, Michael, Josef oder einfach "der Prophet". Die meisten Besucher der Website würden Ratschläge für Probleme das täglichen Lebens suchen, zieht die Ordensfrau Bilanz. Bei den eingegebenen Begriffen steht neben "Heiliger Vater" denn auch "Ehe", "Scheidung", "Tod" und "Abtreibung" ganz vorn.

Support von ganz oben

"Der Papst hat die Möglichkeiten dieses Mediums früh erkannt und unser Projekt immer vorangetrieben", betont die 53-jährige. Sie selbst ist überzeugt, dass Christen Religion auch im Internet suchen und finden: "Für mich ist jede Form von Technik spirituell, weil sie uns Gott auf neue Weise verstehen lässt". Die Tochter eines Programmierers zog es nach dem Literaturstudium zunächst nach Lateinamerika und Thailand, bevor sie sich im Alter von 30 Jahren für das Ordensleben entschied. Mit Computern arbeitet sie seit 1981.

Versprechungen

Schwester Judith ist nach eigenen Worten überzeugt, dass die Kirche als "global player" das Versprechen der virtuellen Vernetzung durch ein wirkliches weltweites Netz von Menschen, Orten und Institutionen einlösen kann. Und das Internet wiederum biete Personen und Institutionen die Chance, auf unkomplizierte Weise miteinander zu kommunizieren. Darüber hinaus ermögliche das Internet die Evangelisierung auch in totalitär regierten Staaten. (APA)

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