Mausi und die Skepsis

27. September 2002, 14:01
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Was ist die Frau ohne den richtigen Mann? - Elfriede Hammerls aktueller Roman "Mausi oder Das Leben ist ungerecht"

Wegen ihrer scharfen Analysen von weiblichen Alltagssituationen schätzen wir ihre Kolumnen im Nachrichtenmagazin "profil". Nun könnte uns Elfriede Hammerl mit ihrem Roman "Mausi oder das Leben ist ungerecht" erfreuen – wenn wir nicht ob der Einführung des Begriffs/und der Figur "Mausi" skeptisch wären. Und sich die Skepsis, ob es wirklich eine gute und unterhaltende Idee ist, durch eine häßliche Plüschmaus - in die Geschichte eingeschleppt von der Verehrerin des (mal fescher Schauspieler) Vaters der Hauptfigur Antonia – die sich als verwöhnte, verwunschene Prinzessin entpuppt; einen Roman, dessen Stärke in der realitätsgetreuen Beschreibung eines Familienkonstruktes liegen könnte, als Märchen zu gestalten.

Die chaotische Familie besteht aus: Antonia – allein erziehende Mutter, Single (weil zu hohe Ansprüche an die Männerwelt), hektischer Job in einem Immobilienbüro. Ihre trostbedürftige Halbschwester Marietta, Lehrerin mit verheiratetem Liebhaber – Kummer vorprogrammiert. Der Vater, ein in die Jahre gekommener Schauspieler, aber noch immer Lebemann mit reichlich Verehrerinnen. Tochter Nina, Teenager mit Sozialkontakten, einem Vater der kein Interesse für sie zeigt – folglich schlechte schulische Leistungen. Die ganze nette Familie wohnt gemeinsam in einem Reihenhaus am Stadtrand – was anderes kann sich Antonia nicht leisten, träumt jedoch von der Villa mit Charme.

Stoff genug für reichlich Seiten würde mensch meinen, auch ohne nerviger Mausi, mit 31 Vornamen, die liebend gern Befehle erteilt und irgendwie in das Leben der Familie ordnend einzugreifen scheint. Die schwierigen Beziehungen – aufgrund der übergroßen Egozentrik von Vater, Halbschwester und Tochter - werden geglättet. Es zieht Harmonie ein. Und am Schluss hat jede/r den für ihn passenden PartnerIn und eine eigene Bleibe. Der Vater lässt sich von seiner Freundin - anstelle von der Tochter – aushalten. Marietta trennt sich von ihrem verheiratetem "Freund" und findet ihr Glück beim netten, verständnisvollem, reichen Chef ihrer Schwester – nebenbei purzeln auch die überschüssigen Kilos von ihr ab. Antonia hat ihre Villa sowie eine neue Option auf einen Mann – und Mausi entpuppt sich als Pop-Sternchen. Naja. Eben ein Märchen, da darf mensch Kitsch nicht kritisieren - das Leben ist anderswo. Elfriede Hammerls Kolumnen sind mir lieber.

(Pia Feichtenschlager)

Elfriede Hammerl Mausi oder das Leben ist ungerecht. Roman. Wien, Frankfurt/Main: Deuticke, 2002. 396 S., geb.; EUR 22.90.
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