Schlusskundgebungen in Serbien

27. September 2002, 10:37
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Kostunica bemüht Anti-Milolosevic-Parole: "Gotov je!"

Belgrad - Mit abschließenden Kundgebungen und Fernsehauftritten der Kandidaten ist am Donnerstagabend in Serbien der Wahlkampf abgeschlossen werden. Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica beendete seine Kampagne mit einer Kundgebung in der zentralserbischen Stadt Krusevac, wo eine beträchtliche Anzahl serbischer Kosovo-Flüchtling lebt. Seinen Wahlkampf, eine Mischung aus nationalistischen Äußerungen und heftigen Attacken auf die Regierung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic, beendete er mit der Parole, die vor zwei Jahren an den damaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic gerichtet war. "Er ist fertig", (Gotov je!) erklärte Kostunica in Bezugauf Djindjic.

Bei der abschließenden Kundgebung des jugoslawischen Vizepräsidenten Miroljub Labus, zu der sich in Belgrad etwa 20.000 seiner Anhänger versammelten, erschien zum ersten Mal seit Beginn des Wahlkampfes auch der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic. "In Serbien lebt man schlecht. Das ist kein Geheimnis. ... Das Neue ist jedoch, dass einige Dinge zu funktionieren beginnen... Vor Serbien liegt eine gute Zukunft", versuchte Djindjic die heftigen Angriffe Kostunicas in einer kurzen und effektiven Rede zu erwidern. Den führenden Herausforderer von Labus, Kostunica, bezeichnete Djindjic ohne ihn beim Namen zu nennen als Drohne, der einmal aus seinem Kabinett, seinem Bienenstock heraus, wo er an Lösungen für ein besseres Leben bastle, entdeckt habe, dass man in Serbien schlecht lebe.

Die Präsidentenwahl am Sonntag wird neben Serbien auch in jenen Kosovo-Gemeinden stattfinden, in denen die serbische Bevölkerung überwiegt.

Belgrader Meinungsforscher sind der Ansicht, dass es beim Urnengang an Sonntag keinen Sieger geben wird. Die Stichwahl zwei Wochen später wird allerdings die Siegeschancen Kostunicas gegenüber Labus wesentlich steigern. Für Kostunica dürften dann nämlich auch etwa 40 Prozent nationalistisch gestimmter Wähler stimmen, die im ersten Urnengang ihre Stimmen den Präsidentschaftskandidaten des früheren Regimes - Vojislav Seselj, Velimir Zivojinovic, Branislav Ivkovic, Borislav Pelevic - geben. (APA)

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