Argentinien: Abkommen mit IWF soll Rettung bringen

27. September 2002, 13:05
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Es gibt keine Alternative, um Wirtschaftskrise zu meistern

Buenos Aires - Argentinien hat nach offiziellen Angaben keine andere Möglichkeit, als das Land mit einen Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aus der wirtschaftlichen Krise zu ziehen. Ein Zahlungsverzug der Schulden bei multinationalen Kreditgebern werde nicht erwogen, sagte der Staatssekretär im Finanzministerium Jorge Sarghini der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview am Donnerstag. "Für uns gibt es nur einen Plan - ein Abkommen mit dem IWF." Am Vortag hatte der argentinische Wirtschaftsminister Roberto Lavagna gesagt, die Welt werde ohne Hilfen des IWF nicht untergehen. Dies hatte Befürchtungen ausgelöst, das krisengeschüttelte Land werde in Zahlungsverzug geraten.

"Wenn es kein Abkommen gibt, werden wir mit dem Widerspruch konfrontiert werden, entweder unsere (Währungs-) Reserven zu benutzen oder in Zahlungsverzug zu geraten, beides wären schlechte Nachrichten", sagte Sarghini. Argentinien hat bereits im Dezember 2001 seine Zins- und Tilgungszahlungen auf Schulden von etwa 140 Milliarden Dollar (143 Mrd. Euro) eingestellt.

Ernsthafte Konsequenzen

Der IWF warnte am Donnerstag vor ernsthaften Konsequenzen, sollte Argentinien Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 14,5 Milliarden Dollar, die bis Ende 2003 fällig sind, nicht bedienen können. Etwa 2,2 Milliarden Dollar sind bis Jahresende fällig. Argentinien hat eine Nutzung der Währungsreserven zur Zahlung ausgeschlossen.

Sarghini sagte weiter, er sehe keine "technischen Gründe", weshalb es nicht zu einer Einigung mit dem IWF kommen könne. Das Land verhandelt seit Monaten mit dem IWF über ein neues Kreditprogramm. Anfang September hatte der IWF dem Land einen Aufschub der für im September fälligen Schulden von rund drei Milliarden Dollar gewährt.

Umfassende Konsolidierung der Haushaltspolitik

Der IWF fordert von der argentinischen Regierung eine umfassende Konsolidierung der Haushaltspolitik. Die Organisation hatte nach Angaben von IWF-Chef Horst Köhler Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwicklung zwar anerkannt. Es fehlten jedoch noch weitere Reformschritte wie ein Plan zur Umstrukturierung des Bankensektors, sagte Köhler Anfang des Monats. Zudem müsse die Unabhängigkeit der Zentralbank gewährleistet werden.

In Argentinien liegt die Arbeitslosenquote bei über 20 Prozent. Der wirtschaftliche Niedergang des Landes und der Wertverlust der Währung, des Peso, haben dazu geführt, dass mehr als die Hälfte der 36 Millionen Einwohner in Armut leben. Vor acht Jahren waren es nur ein Fünftel gewesen. (APA/Reuters)

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