Herbstlohnrunde von Unsicherheiten überschattet

27. September 2002, 14:26
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Wifo tippt auf 2,2 Prozent-Steigerung wie im Vorjahr

Wien - Die wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten überschatten den Beginn der heurigen Herbstlohnrunde. Metaller-Chef Rudolf Nürnberger und der Verhandler für die Industrieangestellten, Karl Proyer, übergeben am Freitag den Arbeitgebern unter der Leitung von Hermann Haslauer ihr Forderungspaket für 210.000 Metallarbeiter und Industrieangestellten. Genaue Angaben über eine prozentuelle Erhöhung sind darin traditionell nicht enthalten. Der Lebensstandard der Beschäftigen müsse allerdings gesichert werden, hieß es im Vorfeld.

Für die gesamte Wirtschaft sei es wichtig, dass bei den KV-Verhandlungen positive Einkommenssignale gesetzt werden. Das Ergebnis der Metall- und Industrierunde hat Signalwirkung für alle kommenden KV-Runden.

Politik heraushalten

Metaller-Chef Nürnberger hat bereits auf "sehr instabile" Konjunkturprognosen der Wirtschaftsforscher hingewiesen und betont, dass man sich bei den kommenden Verhandlungen an eigenen Ergebnissen orientieren werde. Die Politik wolle man auf jeden Fall aus den Verhandlungen heraushalten. Die Wirtschaftsforscher (Wifo/IHS) haben ihre Prognosen für heuer auf unter 1 Prozent zurückgenommen, das Wifo auf 0,9 Prozent, das IHS auf 0,8 Prozent.

Für die Arbeitgeber ist der Spielraum für KV-Verhandlungen heuer besonders eng. Die unsichere Weltwirtschaftslage und die innenpolitische Situation in Österreich "verstärken vorhandene Fragezeichen", so ein Beobachter.

Automatische Vorrückungen abschaffen

Die Elektro-Elektronikindustrie mit rund 60.000 Beschäftigten ist im Vorjahr aus dem Metall-KV-Verband ausgetreten und wird auch heuer wieder alleine verhandeln. Der Startschuss fällt am kommenden Dienstag (1. Oktober). Die Branche will vor allem die automatischen Vorrückungen abschaffen. Die gemeinsam mit der Metallindustrie unabhängig von der KV-Runde geführten Verhandlungen über ein zeitgemäßes Lohnschema solle Mitte 2003 abgeschlossen sein. In der Elektroindustrie verhandelt das Duo Nürnberger/Proyer mit Siemens-Österreich-Chef Albert Hochleitner, dem Fachverband-Geschäftsführer Lothar Roitner und dem Arbeitsrechtler Franz Marhold.

Im Vorjahr einigten sich die Sozialpartner für die Metallarbeiter und Industrieangestellten auf eine Ist-Lohnerhöhung um 2,9 Prozent oder um mindestens 43,6 Euro, die Tarif- oder Mindestlöhne wurden um 3 Prozent angehoben. Der KV-Abschluss für die Elektroindustrie hat sich von dem der Metaller und Industrieangestellten nur durch einen etwas höheren Sockelbetrag von 47,2 Euro unterschieden.

Wifo-Prognose: Steigerung wie im Vorjahr

Die Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass insgesamt steigende Löhne bzw. Gehälter im kommenden Jahr die schwache Konsumneigung im kommenden Jahr wieder beleben werden. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) rechnet für 2003 mit der gleichen Steigerungsrate bei den Bruttoverdiensten pro Kopf (Arbeitsverhältnisse) wie für 2002, nämlich um 2,2 Prozent. Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat dagegen eine Belebung der Bruttolohnsumme pro Kopf auf 2,5 Prozent für 2003 nach 2,1 Prozent im laufenden Jahr seiner optimistischeren Konjunkturprognose zugrundegelegt.

Für heuer wurde im Vorjahr für die Metaller eine KV-Lohnerhöhung um 3,0 Prozent ausgehandelt und eine Ist-Lohnerhöhung um 2,9 Prozent. Die Beamten erhielten eine Einkommenssteigerung um 0,8 Prozent, die Pensionen wurden im selben Ausmaß erhöht, verknüpft mit einer komplizierten Sockelregelung. "Angesichts der Lohnsteigerungsprognose für 2003 können sie sich den Verhandlungsrahmen ausmalen", sagte Guger. (APA)

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