Sozialisten gewinnen Wahlen in Marokko

1. Oktober 2002, 21:46
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Islamisten werden zur drittstärksten Kraft und könnten Schlüsselrolle bei Bildung neuer Regierung spielen

Rabat - Vier Tage nach der Parlamentswahl in Marokko haben die Behörden des nordafrikanischen Königreichs am Dienstag das Ergebnis bekannt gegeben: Die regierenden Sozialisten bleiben mit 50 von 325 Sitzen stärkste Kraft im neuen Parlament. Zweitstärkste Fraktion ist die konservative Istiqlal-Partei mit 48 Sitzen. Überraschend stark schnitt die islamistische Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei ab, die statt mit bisher 14 künftig mit 42 Abgeordneten im Parlament vertreten sein wird.

Die islamistische PJD hat sich unter anderem dafür eingesetzt, dass Frauen zur Verschleierung gezwungen, Alkohol verboten und Dieben die Hand abgeschlagen wird. Die bisherigen Regierungsparteien haben ein Zusammengehen mit der PJD ausgeschlossen.

Die sieben Parteien, die die letzte Regierungskoalition gebildet haben, errangen insgesamt 186 Sitze im Parlament, was ihnen erneut die Mehrheit sichern würde. Es wird erwartet, dass die Koalitionsverhandlungen mehrere Wochen dauern werden. Die Schlüsselressorts der Regierung wie das Außen-, das Justiz- und das Ministerium für religiöse Angelegenheit werden von König Mohammed VI. besetzt.

Die Regierung machte für die langsame Auszählung die große Zahl von Wahllokalen, neuen Vorkehrungen gegen Wahlbetrug und schwierige Berechnungsverfahren zur Verteilung der Sitze nach dem Verhältnissystem verantwortlich. Die Regierung hatte vor der Abstimmung die erste vollständig transparente und faire Wahl seit der Unabhängigkeit 1956 versprochen. (APA/AP)

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    Mustapha Ramid (rechts), Vorsitzender der Partei "Gerechtigkeit und Entwicklung", wirbt um Stimmen. Seine Partei ist die einzige fundamentalistische Gruppe, die im Parlament vertreten ist. Die Lampe ist das Symbol der Organisation.

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