Berlin erleichtert über versöhnlichere Töne aus den USA

27. September 2002, 17:38
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Regierungssprecher: "Missstimmung" wegen Irak soll ausgeräumt werden - Außenminister Fischer will Mitte Oktober in die USA reisen

Berlin - Mit Erleichterung hat die deutsche rot-grüne Bundesregierung erste Signale aus dem Weißen Haus aufgenommen, die Irritationen in den gegenseitigen Beziehungen abbauen zu wollen. Der stellvertretende deutsche Regierungssprecher Bela Anda sagte am Freitag in Berlin, es sei erfreulich, dass es eine entsprechende Äußerung des Präsidenten-Sprechers Ari Fleischer gebe.

Anda sagte weiter, jetzt gehe es darum, die gemeinsame Arbeit auf dem Fundament der "wirklich guten Beziehungen" geduldig und intensiv weiterzuentwickeln und die "Missstimmung, die es in einer zentralen Sachfrage gab", aufzulösen. Das Wort Irak nahm er dabei nicht in den Mund. Die US-Administration hat dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nicht zum Sieg bei den Bundestags-Wahlen gratuliert. Noch einige Tage nach der Wahl sprachen republikanische US-Politiker von "vergifteten" Beziehungen zwischen Washington und Berlin, weil der Kanzler sich im Wahlkampf offen gegen eine US-Militäraktion im Irak ausgesprochen hatte.

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer will nach der Konstituierung des Bundestags Mitte Oktober in die USA reisen. Das kündigte er in einem am Freitag vorab veröffentlichten Interview der ARD-Fernsehsendung "Bericht aus Berlin" an. Fischer will sich bemühen, die im Zusammenhang mit dem deutschen Nein zu einem Irak-Krieg entstandenen Irritationen zwischen Washington und Berlin auszuräumen. Er äußerte in dem Interview die Hoffnung, dass es nicht zu einem Krieg gegen den Irak komme. "Wir müssen allerdings die Entwicklung sehr ernst nehmen."

In diplomatischen Kreisen in Berlin hieß es unter Verweis auf die innenpolitischen Debatten in den USA über die Irak-Strategie, dass eine Bereinigung der deutsch-amerikanischen Irritationen noch im Oktober erreicht werden könnte. Deutschland und die USA sind wie Großbritannien wichtige NATO-Partner. Großbritannien unter dem ebenfalls sozialdemokratischen Premier Tony Blair liegt in der Irak-Frage im Gegensatz zu Deutschland voll auf Bushs Linie.

Fleischer hatte zuletzt erklärt, die US-Regierung werde weiterhin gut mit Deutschland zusammenarbeiten und jegliche Belastungen aufarbeiten: "Die USA erkennen die Entscheidungen an, die eine Demokratie trifft, und respektieren sie." Auf die Frage, wie lange US-Präsident George W. Bush Bundeskanzler Gerhard Schröder noch die kalte Schulter zeigen wolle, antwortete der Sprecher, es handle sich bei beiden Seiten um große Regierungen. Über den Zeitpunkt einer möglichen Einladung Bushs an Schröder wollte Fleischer keine Angaben machen.(APA/AP)

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    Versöhnliche Töne von Ari Fleischer.

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