Prozess um Zechmanns Worte

26. September 2002, 21:01
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Antisemitismus im Unterricht: Schulchef klagte Wochenzeitung

Es kommt selten vor, dass sich ein amtierender Landesschulratspräsident wegen angeblicher frauenfeindlicher und antisemitischer Äußerungen im Unterricht vor Gericht rechtfertigen muss, am Donnerstag war dies am Wiener Landesgericht der Fall. Drei Schülerinnen belasten den amtsführenden Kärntner Schulchef Heiner Zechmann. "Ein Sammelsurium an Unwahrheiten", entgegnete dieser.

Im Herbst 2001 berichtete die kommunistische Volksstimme über angebliche verbale Ausritte des hohen Schulfunktionärs. Zechmann - sein Großvater war NSDAP-Gauleiter und Mitbegründer der FPÖ-Vorläuferpartei VdU (Verband der Unabhängigen), sein Sohn aus erster Ehe sitzt als vor wenigen Wochen festgenommener Bombenbastler in U-Haft - klagte.

Vor Gericht bestätigten die Exschülerinnen des Peraugymnasiums jedoch die Vorwürfe: Zechmann habe beispielsweise bei der Erörterung von Zyklon B (das die Nazis zur Massenvernichtung von Juden einsetzten) darauf hingewiesen, seine Schüler bräuchten davor keine Angst haben, "weil alle Arier sind".

Andere Schüler entlasteten ihren ehemaligen Chemielehrer: Sie hätten derartige Aussprüche nie gehört, seien aber auch nicht immer in der Klasse gewesen. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2002)

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