Exil-PEN vor der Auflösung

26. September 2002, 20:23
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Alternative: Neugründung mit klaren Zielen - Mitgliedschaft ruht bis zur Entscheidung

Darmstadt - Der deutsche PEN-Club im Exil soll sich entscheiden, ob er sich auflösen oder mit klaren Zielen neu gründen soll. Diese Forderung des Internationalen PEN-Kongresses teilte der deutsche PEN-Präsident Johano Strasser am Donnerstag in Darmstadt mit. Bis eine Entscheidung gefallen sei, ruhe die Mitgliedschaft bei der internationalen Schriftstellervereinigung.

Hintergrund ist die Auflösung des Londoner PEN-Zentrums deutscher Autoren im Ausland Anfang dieses Jahres durch den inzwischen gestorbenen Präsidenten Fritz Beer. Er begründete den Schritt mit der Untätigkeit der 103 verbliebenen Mitglieder. Hinzu kam Kritik des internationalen PEN, der der Vereinigung "antiamerikanische Tendenzen und NATO-Feindlichkeit" vorwarf. Es folgte ein heftiger Schriftwechsel, in dem mehrere Mitglieder des Exil-PEN die Rechtmäßigkeit der Auflösung bezweifelten.

Festhalten an Institution wäre Nostalgie

Strasser hält das Festhalten an dieser Institution für Nostalgie, die allerdings durchaus verständlich sei. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten 1934 Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Klaus Mann, Anna Seghers und Ernst Toller, die vor den Nationalsozialisten fliehen mussten. Zum ersten Präsidenten wurde Heinrich Mann gewählt. "Nach dem Krieg wollten viele Autoren aus verständlichen Gründen um keinen Preis nach Deutschland zurückkehren, in dieser Zeit hatte die Vereinigung auch noch ihren Sinn", sagte Strasser.

Inzwischen habe sich der Exil-PEN jedoch überlebt. "Die meisten Autoren orientieren sich längst an den PEN-Clubs ihrer Gastgeberländer", erklärte Strasser. Wer wolle, könne sich auch dem deutschen PEN-Zentrum mit Sitz in Darmstadt anschließen. (APA/dpa)

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