Ein Müllofen für Simmering

26. September 2002, 20:01
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Neben den Entsorgungsbetrieben soll eine - kleinere - Müllverbrennung, aber auch eine Biogasanlage errichtet werden...

Wien - "Ja, da gab es dann noch eine Aussprache mit dem Bezirksvorsteher", erinnert sich Umweltstadträtin Isabella Kossina (SP). Und der Simmeringer Bezirksvorsteher Otmar Brix (SP) weiß jetzt: "Eine Müllverbrennungsanlage ist in erster Linie ein sehr emotionelles Thema, da sagt man erst einmal Nein." Tatsächlich habe er das aber vor allem getan, "um sich einen Spielraum für Auflagen und Zusagen offen zu lassen". Jetzt sagt Brix Ja - weil einige Bezirksforderungen erfüllt worden seien.

Umweltzentrum Simmering

Die dritte Wiener Müllverbrennung soll also in Simmering errichtet werden, hat man sich geeinigt. Sie soll "Müllverbrennungsanlage Pfaffenau" heißen - und zwischen den Entsorgungsbetrieben Simmering/Hauptkläranlage und Donaukanal errichtet werden. Daneben soll dann laut Kossina noch die im rot-grünen Arbeitsübereinkommen vereinbarte Biogasanlage errichtet werden. Außerdem wünscht sich die Stadträtin auch noch eine Fachhochschule für Umwelttechnik für diesen Standort - und das alles zusammen solle dann "Umweltzentrum Simmering" heißen, titelt Kossina.

Das gesamte Zentrum solle "in fünf bis sieben Jahren fertig" sein, die Umweltverträglichkeitsprüfung für die Müllverbrennungsanlage (MVA) soll im kommenden Jahr durchgeführt werden.

Kompromiss

Der Kompromiss: Entgegen den ursprünglichen Pläne wird die neue MVA in Simmering nun kleiner ausfallen - und jährlich nur 250.000 statt 400.000 Tonnen verbrennen. Im Gegenzug wird nach einem Machtwort von Bürgermeister Michael Häupl die Verbrennungsanlage am Flötzersteig doch nicht zugesperrt. Kossina: "Die Anlage bleibt in Betrieb, so lange wie möglich."

Eine weitere Bedingung, die Brix durchgesetzt hat: Nach dem Bau der Verbrennungsanlage solle kein einziges Müllfahrzeug zusätzlich durch die Bezirksstraßen fahren, die Anlieferung solle ausschließlich über das "hochrangige Straßennetz" erfolgen.

Die neue MVA und die Biogasanlage sollen insgesamt rund 180 Millionen Euro kosten - die so geschaffene Kapazität werde dann für die Müllmengen der nächsten zehn bis 15 Jahre reichen, so Kossina. Man setze aber auch gleichzeitig auf eine verstärkte Abfallvermeidung - hier würden im kommenden Jahr fünf Millionen Euro investiert. Außerdem solle das Wiener Abfallwirtschaftskonzept "fortgeschrieben" werden. Kossina: "Wir bleiben nicht stehen, das wäre ja blöd."

Strom aus Sautrank

Die Biogasanlage soll pro Jahr insgesamt 30.000 Tonnen "biogene Abfälle" verarbeiten und Ökostrom erzeugen. Der "Füllstoff" dafür soll aus Wiener Gastronomiebetrieben kommen - dafür soll eine neue Sammelschiene aufgebaut werden. Neben diesem "Sautrank" soll auch ein Teil des Kompostmaterials aus der "Grünen Tonne" kommen. "Dann wird nur noch der sauberste Kompost ausschließlich aus Gartenabfällen hergestellt", kündigte die Umweltstadträtin an.

Kritik kam vonseiten der Grünen - vor allem, da der Flötzersteig nun doch nicht geschlossen werden soll. Denn Vizebürgermeister Sepp Rieder habe diesen Juni in einer Anfragebeantwortung bestätigt, dass der Flötzersteig fünfmal so viele Schwermetalle emittiere wie die Anlage in der Spittelau. (frei, DER STANDARD Printausgabe 27.9.2002)

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