Transit im Nebel

26. September 2002, 19:37
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Nebelschwaden sind im Herbst nichts Ungewöhnliches - Ein Kommentar von Luise Ungerboeck

Nebelschwaden sind im Herbst nichts Ungewöhnliches. Damit der Autofahrer trotzdem sieht, haben kluge Techniker Nebelscheinwerfer erfunden, die von ebenso klugen Autobauern mittlerweile serienmäßig auf die fahrenden Untersätze montiert wurden. Einziger Makel: Bei wirklich dichten Nebelwänden helfen Breitstrahler nur bedingt, gegen Nebelgranaten, wie sie Infrastrukturminister Mathias Reichhold nach dem italienisch-österreichischen Transitgipfel in Rom geworfen hat, leider praktisch gar nicht.

Da sich der Noch-Verkehrsminister bemüßigt fühlte, Nebelgranaten einzusetzen, ist zu befürchten, dass er von seiner Reise nach Rom nicht viel mehr mitgebracht hat als heiße Luft und Wahlkampfzuckerln. Denn von einem "Durchbruch", wie ihn der neue FPÖ-Obmann verkündet hat, kann keine Rede sein. Eher davon, dass das Verkehrschaos noch größer geworden ist, als es vorher schon war: Glaubt man Reichhold, kommt eine Fortsetzung der von Italien und Deutschland heftig bekämpften Ökopunkteregelung, glaubt man seinem römischen Ressortkollegen Pietro Lunardi, so sind die Schadstoffpunkte spätestens 2004 Vergangenheit.

Bleibt de facto nur der bittere Mittelweg, die Fortführung der Ökopunkteregelung ohne Obergrenze. Dies wäre erneut ein Kniefall vor den Frächtern, die vermutlich zwar mit schadstoffarmen Lastern durch Österreich brausen würden, der sprunghafte Anstieg von Transitfahrten würde die gedrosselten Emissionswerte aber bald egalisieren. Weitere Lösungsvorschläge für die verfahrene Situation bleibt Reichhold schuldig, denn er präsentierte nichts, was nicht zuvor schon mit den EU-Partnern vereinbart worden wäre. Aus dem angekündigten Durchbruch ist also wieder nichts geworden.

DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2002)

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