Stimme aus dem Jenseits

26. September 2002, 19:22
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Die Schrecksekunde nimmt schön langsam die Form einer Lähmung an. "Bitte warten", tönt es in Endlosschleife aus dem Liberalen Forum - Von Martina Salomon

Die Schrecksekunde nimmt schön langsam die Form einer Lähmung an. "Bitte warten", tönt es in Endlosschleife aus dem Liberalen Forum, wenn man nach dem Spitzenkandidaten fragt. Ohne einen prominenten Kommunikator sind die Chancen des LiF, ins Parlament einzuziehen, aber gleich null. Hans-Peter Haselsteiner scheint dazu keine Lust zu verspüren, und Volksbegehrer Robert Fußi wäre ein zu riskanter Partner für die Liberalen: Er ist zwar durch das Abfangjäger-Volksbegehren für einige Tage berühmt geworden, aber danach nur mehr mit peinlichen populistischen Sprüchen aufgetreten.

Die einstigen Parteigranden der Liberalen haben sich nach der Wahlschlappe 1999 vornehm zurückgezogen. Seither versucht eine vorwiegend studentische Gruppe, das im Koma liegende Projekt künstlich am Leben zu erhalten. Denn grundsätzlich hätte eine liberale Partei gar nicht so schlechte Chancen. Beispielsweise bei prinzipiell politikverdrossenen Jugendlichen, bei Jungunternehmern, die sich von einem schwarzen Kanzler vergeblich Entlastungen erhofft hatten, bei städtischen Yuppies, die SPÖ und ÖVP als zu strukturkonservativ empfinden, bei Grünen, denen die Grünen zu wenig grün sind.

Im - unverändert gebliebenen - Parteiprogramm ist viel vom eigenverantwortlichen, mündigen Bürger die Rede, von Leistungsorientierung und ökologischer Steuerreform. Die Jung- liberalen haben daraus bisher einen einzigen Wahlschlager gezimmert: Abschaffung der Wehrpflicht. Eine der Konsequenzen daraus wäre allerdings ein Sozialdienst für alle - auch für Frauen. Und sonst? Ein mäßig lustiges Plakat, in dem man "Köpfe statt Ä . . ." forderte, um den Parteien-Eintopf aufzuzeigen.

Peinlicherweise fehlen jetzt ausgerechnet den Liberalen die Köpfe. Wenn das nicht . . . ist.

(DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2002)

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