Generationswechsel beim S. Fischer Verlag

26. September 2002, 18:29
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Monika Schoeller gibt Programmleitung ab

Frankfurt am Main - Man schreibt die Jahre des Generationswechsels in der deutschen Verlagslandschaft. Nach Suhrkamp und Wagenbach fand nun auch der S. Fischer Verlag zu einer Lösung für eine Zukunft des Hauses ohne inhaltliche Kompromisse. Vom 1. Okober an zieht sich Monika Schoeller, seit knapp dreißig Jahren Verlegerin von Fischer, aus der Programm-Geschäftsführung zurück, um sich ganz dem Aufbau der noch zu gründenden S. Fischer Stiftung zu widmen.

Künftig wird die Programm-Geschäftsführung der Teilverlage gesplittet. Die anspruchsvollen Programme von S. Fischer und dem S. Fischer Theaterverlag übernimmt der 36-jährige Jörg Bong, der bisherige Programmleiter für deutschsprachige Literatur, dem wenig Neigung für ökonomisch motivierte inhaltliche Zugeständnisse nachgesagt wird.

Die Inhalte der kommerziell orientierten Teilverlage des Konzerns, Argon und Krüger, sowie den Fischer Taschenbuch Verlag konzipiert künftig Peter Lohmann, bisher Geschäftsführer des Schweizer Publikumsverlags Scherz, der mit Lebenshilfe-Titeln in den vergangenen Jahren äußerst positiv bilanzierte.

Den Scherz-Verlag selbst ordnete der Holtzbrinck-Konzern, dem die S. Fischer Verlage seit vielen Jahren gehören, den Traditionshäusern übrigens gleichfalls zu. Wohl um die branchenübliche "Mischkalkulation", also die Finanzierung anspruchsvoller Literatur durch Bestseller, bei S. Fischer auf die verschiedenen Teilverlage aufzugliedern. Wenn also Scherz, Argon und Krüger ausreichend Geld in die Kasse bringen, kann sich S. Fischer weiterhin kompromisslos auf Klassikergesamtausgaben und die Förderung der Gegenwartsliteratur konzentrieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2002)

Von Cornelia Niedermeier
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