Stromregulator lässt "Kunden" hängen

26. September 2002, 19:18
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Für gekündigte Abnehmer der Raiffeisen Ware Wasserkraft nicht zuständig

Wien - Die Stromliberalisierung in Österreich zeigt die ersten Schattenseiten. Konkret geht es um 200 Kunden, die vom Newcomer am Markt, Raiffeisen Ware Wasserkraft (RWW), gekündigt und von Wienstrom im Kulanzweg übernommen wurden.

"Keine Kunden"

Die heimische Regulierungsbehörde e-control, die guter Hoffnung ist, auch Konsumentenschutzaufgaben zu übernehmen, sieht sich nicht für die Stromabnehmer zuständig. Weil die Betroffenen über keinen aufrechten Stromliefervertrag verfügen, sind sie auch keine Kunden. Und die e-control sei nur für Kunden zuständig. Das werde auch durch den Willen des Gesetzgebers unterstützt, wonach im liberalisierten Markt keine Versorgungspflicht mehr besteht, argumentiert die e-control.

Wären die Wiener nicht eingesprungen, hätten die 200 Kunden keinen Strom mehr gehabt. Laut RWW wurden bei diesen Kunden, die nicht gezahlt hätten, ein ordentliches Mahnverfahren durchgezogen, bevor der Vertrag gekündigt wurde. Was dazu kommt: Für das Abschalten ist immer der Netzbetreiber, also in dem Fall Wienstrom, zuständig.

Regelwerk

Derzeit verhandeln Wienstrom, RWW und die Regulierungsbehörde über ein Regelwerk, wie man mit Kunden umgeht, die ihre Stromrechnung nicht berappen, sagte RWW-Chef Michael Heiden. Man sei auf der Suche nach einer pragmatischen Lösung, die auch für alle 14 Netzbetreiber in Österreich gelten könnte. Dabei zeichnet sich laut Heiden folgender Mechanismus ab: "Wenn wir die Kunden mahnen, dass sie nicht bezahlt haben, informieren wir gleichzeitig den Netzbetreiber." Gleichzeitig arbeite man mit dem Kreditschutzverband von 1870 (KSV) an einer Datenbank über die säumigen Zahler, erläuterte der RWW-Chef. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 27.9.2002)

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