Schwarz-Blau rechnerisch schon ein Jahrzehnt voran

27. September 2002, 17:28
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"Rechtes Lager" schon lange vor dem "linken" - Mit Grafik

Wien - Es werde "verdammt schwer werden, erstmals seit 1979 eine Mehrheit jenseits von Schwarz-Blau zu erreichen", sagte SP-Klubchef Josef Cap kürzlich in einem Interview. Tatsächlich lag das "rechte Lager" aus ÖVP und FPÖ gegenüber dem - großzügig definierten - "linken" seit den Nationalratswahlen 1983 rechnerisch bei allen Urnengängen voran, auch wenn die schwarz-blaue Koalition erst 1999 Wirklichkeit wurde.

Das linke, im Wesentlichen rot-grüne Lager hatte nie auch nur rechnerisch die Mehrheit, selbst wenn man den Stimmenanteil des Liberalen Forums hinzurechnet, das ab 1994 im Parlament vertreten war und 1999 den Einzug mit 3,7 Stimmprozent nicht mehr schaffte (siehe Grafik oben. Die Differenz auf 100 Prozent entfiel jeweils auf kleine Parteien wie die KPÖ; 1983 und 1990 vor allem auch auf die bürgerlichen Vereinten Grünen, VGÖ.)

Im soeben begonnenen Wahlkampf führt laut der zuletzt veröffentlichten market-Umfrage des STANDARD Rot-Grün mit 51 zu 48 Prozent vor Schwarz-Blau. Offen ist aber noch, wohin Hunderttausende enttäuschte FPÖ-Wähler am Wahltag tendieren werden. Die ÖVP will sie im bürgerlichen Lager halten, aber auch SPÖ und sogar die Grünen bemühen sich um sie, während der neue FP-Chef Mathias Reichhold Vertrauen zurückzugewinnen sucht.

Bisher habe die ÖVP von der FPÖ-Krise am meisten profitiert, sagte dazu der Politologe Fritz Plasser diese Woche in der "ZiB 2". 400.000 FP-Wähler seien zur ÖVP gewandert, 300.000 zur SPÖ, die damit unter Arbeitern wieder zur stärksten Partei geworden sei. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.9.2002

  • Strukturelle Mehrheit von 1979 bis 1999 (Grafik zum Vergrößern anklicken)

    Strukturelle Mehrheit von 1979 bis 1999 (Grafik zum Vergrößern anklicken)

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