Österreicher verunsichert und erleichtert

26. September 2002, 16:40
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Gericom und Sanochemia begrüßen Umstrukturierung - AT&S verärgert - Pankl spricht mit Londoner Börse

Wien - Ein hohes Maß an Verunsicherung, aber ein mehrheitlich positiver Tenor kennzeichnen die ersten Reaktionen betroffener österreichischer Unternehmen auf die Pläne der Deutschen Börse, den Neuen Markt aufzulösen. Während bei AT&S der Ärger über den unerwartet gekommenen Schritt dominiert, sehen andere in den Umstrukturierungen die Chance, das zuletzt schwer gebeutelte Technologiesegment wieder attraktiver zu machen. Pankl Racing schließt auch einen Wechsel nach London oder Wien nicht aus.

Gericom: Bestens gerüstet

Für Gerhard Leimer, Finanzvorstand des Notebook-Herstellers Gericom, wird sich künftig "die Spreu vom Weizen trennen", wenn sich - wie angekündigt - die Qualität der rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert und die Transparenz besser wird. Gericom sei für das angekündigte Segment Prime Standards "bestens gerüstet", es werde dies auch "intern keine Umstellung" für das Unternehmen bedeuten.

Sanochemia wartet ab

Das von der Deutschen Börse angekündigte Abgehen vom Privat- hin zum Börserecht empfindet beispielsweise das Wiener Pharmaunternehmen Sanochemia als Vorteil: Damit könnten Regelverstöße besser sanktioniert werden, meinte eine Sprecherin des Wiener Unternehmens in einer ersten Einschätzung. Jedenfalls sei es positiv, dass man dem dramatischen Verfall am Neuen Markt nicht mehr länger zuschaue. Noch wisse man aber nicht viel, das fertige Konzept werde wohl noch auf sich warten lassen, vermutet Sanochemia.

Ärger bei AT&S

Ärger dominiert dagegen beim Leiterplattenproduzenten AT&S, bisher als einziges österreichisches Unternehmen im Auswahlindex Nemax-50 vertreten. Man sei vorab nicht informiert worden, kritisiert AT&S-Sprecher Reinhold Oblak: "So geht man mit Partnern nicht um. Wir erwarten uns nun, dass wir raschest alle Details zur geplanten Änderung erhalten", dann erst könne AT&S Entscheidungen treffen. Oblak wollte auf APA-Nachfrage auch eine Übersiedlung an einen anderen Börseplatz nicht ausschließen.

Pankl:"Kein unmittelbarer Handlungsbedarf"

Der steirische Zulieferer zum Autorennsport, Pankl Racing, sieht "keinen unmittelbaren Handlungsbedarf", da man ein Doppellisting (auch Nasdaq Europe/Brüssel) habe. Nächste Woche werde man Gespräche mit der Nasdaq Europe und der Börse London führen, kündigte eine Pankl-Sprecherin auf APA-Anfrage an. Aber auch Wien und Frankfurt werde man "als Option im Auge behalten". (APA)

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