Fellner im Land der Zwerge

27. September 2002, 13:28
20 Postings

"News" treibt Parteikonflikte voran und wird trotzdem für eine journalistische Katastrophe gehalten. Sein Herausgeber ist aber der Einzige, der mit dem Medium Foto umgehen kann.

"Medien sind inszenierte Wirklichkeiten", sagt News-Manager Rudi Klausnitzer bei den Österreichischen Medientagen. Das sieht offenbar auch sein Generalherausgeber Wolfgang Fellner so. Denn wenn der über Journalismus spricht, hört man wenige Stunden später über Jörg Haiders jüngstes Wüten in der FPÖ: "News" habe diese Ereignisse "nicht nur vorangetrieben, sondern auch in spannender Form dargestellt".

Da fragt man sich gerade bei den Medientagen, wie objektiv Journalismus ist.

Wieder einmal muss sich Wolfgang Fellner gegen Vorwürfe von "Falter"-Chef Armin Thurnher wehren: Die News-Gruppe sei "die moderne Form des Verschwindens des Journalismus". "Die moderne Variante des Dichandismus" wiederum "der Fellnerismus", spielt Thurnher auf den "Krone"-Herausgeber Hans Dichand und seine Kampagnen an. Sein Befund über "News" und die diversen Schwestermagazine: "kommerzieller Erfolg, journalistische Katastrophe". Und der österreichischen Öffentlichkeit bescheinigt Thurnher eine "Katastrophe, dass so was als journalistischer Erfolg durchgeht". Fellner schlägt er vor, doch ein Jahr auf Marketingaktionen wie Gutscheine zu verzichten, um das alleinige Gewicht der Berichterstattung beim Leser zu messen.

"Lustig" findet Fellner die Vorwürfe, aber eben doch "hanebüchenen Unsinn". Und dass ihm Thurner nicht gekennzeichnete Fotomontagen vorwirft, mag er nicht nachvollziehen. Ist Fellner doch "der Einzige, der mit den Medium Foto umgehen kann" in einem "Land der optischen Zwerge" und ganz besonders des "Zwergs Thurnher". Der daraufhin zu Kraus greift: "Die Zwergenschatten sind je länger, je tiefer die Sonne steht."

Fahrschein bedrucken

Kostenbewusstsein hingegen kann man der News-Gruppe nicht absprechen. Michael Grabner: "Mit den Kosten einer durchschnittlichen Seite der News-Gruppe kannst du in Deutschland bestenfalls einen Fahrschein bedrucken." Grabner weiß, wovon er spricht: Der frühere Mediaprint-Manager führt heute die Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck mit "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche".

Zusammenlegen

Die Werbekrise zwingt Grabners Gruppe zu hartem Sparen wie die Mitbewerber. Zum Beispiel Hans Gasser, Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags, der auch mit 49 Prozent am STANDARD beteiligt ist. "Mehr als zehn Prozent" Personal spart Gassers Münchner Konzern ein, "auch in der Redaktion der 'Süddeutschen Zeitung'". Vielleicht, ergänzt Grasser, müsse auch die Organisation von Zeitungen "vollkommen neu gedacht" werden. Alle für die Marke nicht relevanten Teile wie Druck oder Vertrieb könnte man zusammenlegen. Nicht aber die Redaktionen - wie es der Verlagskonzern Springer in Berlin mit "Welt" und "Morgenpost" gerade versucht.

"Jammern auf hohem Niveau" bescheinigt der Branche Eugen Russ, dessen Medien Vorarlberg völlig dominieren. "Ziemlich verwegen" findet er, das Boomjahr 2000 als Maßstab für die Werbekonjunktur zu nehmen. Mit Klausnitzer pflichtet ein weiterer Marktbeherrscher bei: "Es geht uns schlecht auf sehr hohem Niveau." Oder, fügt er als Vorstandschef der Verlagsgruppe News an: "Es geht uns gut auf niedrigem Niveau." Und das hat nichts mit seiner Aussage zu tun, der Qualitätsbegriff sei "sehr subjektiv". (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2002)

  • Wolfgang Fellner. "Falter"-Chef Thurnher schlägt ihm vor, doch ein Jahr auf Marketingaktionen wie Gutscheine zu verzichten.
    foto: standard/semotan

    Wolfgang Fellner. "Falter"-Chef Thurnher schlägt ihm vor, doch ein Jahr auf Marketingaktionen wie Gutscheine zu verzichten.

Share if you care.