Traumbilder in Tanzworten

15. Februar 2003, 01:12
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Antje Ravic Strubel komponiert ihren dritten Roman "Fremd Gehen" in ihrer ganz eigenen Art

Am Anfang steht ein Mord. So beginnt der Roman "Fremd Gehen" von Antje Ravic Strubel, der jungen Potsdamerin (geb. 1974), die bisher schon mit ihren Romanen "Offene Blende" und "Unter Schnee" literarisches Aufsehen erregt hat.

Eigentlich ist dieser Roman kein Kriminalroman, sondern ein "Nachtstück", wie es die Autorin bezeichnet. Zwei Geschichten sind ineinander verflochten. Daniel Stillmann ist Student der Mathematik und wird Zeuge eines Mordes. Seine Gedanken verwirren sich und es wird unklar, was real ist und was gespiegelt. Hinein wirken dann Erlebnisse von Marlies, die sich an ihre Beziehungen erinnert und immer wieder taucht der Alte auf, der das Bindungsglied zwischen den beiden Erzählsträngen bildet.

Tanzzustand des Lesens

Strubel entführt in "Fremd Gehen" in ein unbekanntes Berlin, in erschreckende Ereignisse, die den gewohnten Alltag durcheinanderbringen. Ihre kräftige Sprache produziert Traumbilder, die LeserIn dreht und wendet sich mit den Worten. Fasst ist es als entstehe ein Tanz, der zum Drehen wird und frau versinkt in einen Strudel der Anziehung. Ein Buch, das frau in einem durchlesen muss, um diesen Tanzzustand des Lesens nicht unterbrechen zu müssen.

Strubel komponiert den Text. Schreiben ist für sie der Wunsch, das Unsagbare mitzuteilen, sagte sie einmal in einem Interview. "Doch es endet stets damit, dass das Eigentliche nicht gesagt ist." (aus)

Antje Rávic Strubel: Fremd Gehen - Ein Nachtstück, 190 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, ca. € 18,– Mare Buch Verlag
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    bild: marebuchverlag
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