USA verlangen von Kroatien Auslieferung des Ex-Generalstabschefs

28. September 2002, 13:27
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Internationaler Druck auf Zagreb wächst

Zagreb - Der internationale Druck auf Kroatien im Streit mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal um die Auslieferung des früheren Generalstabschefs Janko Bobetko wächst. Am Samstag forderten die USA die kroatische Regierung zur "bedingungslosen Zusammenarbeit" mit dem UNO-Gerichtshof auf. Alle Angeklagten müssten dem Gericht überstellt werden, heißt es in einer in Zagreb veröffentlichten Mitteilung der US-Botschaft. Zuvor hatte schon Großbritannien Kroatien aufgerufen, "bedingungslos" seine internationalen Verpflichtungen zu erfüllen.

Die kroatische Regierung hat bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber einer Auslieferung volle Rückendeckung vom Parlament. Am Freitag lehnten alle parlamentarischen Parteien eine Festnahme und Überstellung Bobetkos nach Den Haag ab. London hatte gewarnt, die Kroatiens Aufnahme in NATO und EU sei an eine Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal geknüpft. Das UNO-Tribunal legt Bobetko (83) die Ermordung von mindestens 100 serbischen Zivilisten im September 1993 in einem von aufständischen Serben kontrollierten Gebiet in Kroatien zur Last.

Die USA ihrerseits sind nicht bereit, ihre Soldaten an den neuen Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) auszuliefern. Washington hat deshalb bilaterale Nicht-Auslieferungsabkommen mit zwölf Staaten abgeschlossen, die die EU und der Europarat als unzulässig kritisiert haben. (APA/dpa)

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