Reisethrombosen: Maßnahmen zur Vorbeugung

26. April 2005, 12:59
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Vor allem bei Flugreisen besteht ein erhöhtes Risiko - eine gezielte Prophylaxe kann dieses erheblich vermindern

Wien - Die Furcht vor Reisethrombosen als mögliche Komplikation bei Langstreckenflügen ist weit verbreitet.

"Mittlerweile gibt es aber sehr gute Empfehlungen für die Prophylaxe", meint der Wiener Reisemediziner Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, "und es besteht ein Konsens, dass die Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung, das Heparin, nur jene Menschen verwenden sollten, die ein besonders hohes Risiko haben".

Hier die wichtigsten Prophylaxe-Empfehlungen

Die Vorbeugungsmaßnahmen gegen Reisethrombosen reichen von einfachen Bewegungsübungen bis zur Einnahme von Medikamenten. Eine österreichisch-deutsch-schweizerische Expertengruppe hat sich die vorhandenen Erkenntnisse zusammengefasst. Ganz wichtig: Es kommt auf die beim Reisenden individuelle Situation an.

Für einen Teil der Empfehlungen gibt nur unzureichende Wirksamkeitsbeweise. Die Fachleute: "Die wissenschaftlichen Daten sind ungenügend, um spezifische Empfehlungen einer Prophylaxe abzugeben, ausgenommen Beinübungen während der Reise, ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens ein Viertel Liter Wasser alle 2 Stunden) und Kompressionsstrümpfe der Klasse 1 oder höher."

Medikamente sollten wegen der Möglichkeit von Nebenwirkungen nicht ungezielt verwendet werden. Die Acetylsalizylsäure (ASS - Aspirin, Aspro) hat offenbar "keine ausreichende Wirkung zur Prophylaxe im venösen Bereich".

Für Hochrisiko-Reisende können Ärzte auch die Selbst-Injektion von niedermolekularem Heparin vor Antritt der Reise verordnen. Doch auch für diese wahrscheinlich wirkungsvollste Prophylaxe - mit möglichen Nebenwirkungen - liegen keine endgültigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Nutzen vor.

Die Fachleute: "Die Empfehlung (für Heparin, Anm.) ... erfolgt nicht auf Grund gesicherter Daten, sondern in Analogie zu den Ergebnissen mit einer Thromboseprophylaxe bei anderen internistischen Risikogruppen." Die Informationen stammen vor allem aus der Thrombose-Vorbeugung bei Menschen, die sich Operationen unterziehen müssen.

Die Fachleute stellen ihre Empfehlungen auf die unterschiedliche Gefährdung verschiedener Personengruppe ab:

  • Gruppe 1: Niedriges Risiko
  • Jede vielstündige Reisedauer in vorwiegend sitzender Position bedingt bei Reisenden, die ansonsten keine der in den weiteren Risikogruppen angeführten persönlichen Risikofaktoren haben, ein niedriges Risiko.

    Allgemeine Maßnahmen:

    Bewegungsübungen, z.B. Fußwippen; isometrische Übungen; im Auto: wiederholte Pausen einlegen und einige Schritte gehen. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Zurückhaltung mit Alkohol), Zurückhaltung beim Gebrauch von Sedativa und Hypnotika (Beruhigungs- und Schlafmittel). Die Experten: "Die Reisethrombose ist eine Sitzthrombose, und Aufstehen ist daher eine logische Prophylaxemaßnahme."

  • Gruppe 2: Mittleres Risiko
  • Zusätzlich zur vielstündigen Reisedauer sind an Gefährdungsmomenten gegeben: eine Schwangerschaft oder Zustand nach einer Geburt sowie mindestens zwei der nachfolgenden Umstände:

    - Alter über 60 Jahre
    - Klinisch relevante Herzerkrankung
    - Nachgewiesene Thrombophilie/fämiliäre Thromboseneigung
    - Größere Varizen (Krampfadern), chronische venöse Insuffizienz
    - Ovulationshemmer ("Pille"), postmenopausale Hormonersatztherapie
    - Adipositas ("Fettsucht", BMI>30)
    - Exsikkose (Flüssigkeitsmangel)

    Hier werden folgende Vorsorgemaßnahmen empfohlen:

    - Allgemeine Maßnahmen (siehe geringes Risiko)
    - Wadenstrümpfe im Druckbereich der Kompressionsklasse 1
    - Bei Patienten mit venöser Insuffizienz medizinische
    Kompressionsstrümpfe je nach Notwendigkeit (Indikation)
    - Im Einzelfall, z.B. bei Schwangerschaft oder Thrombophilie (Neigung zu Thrombosen), kann niedermolekulares Heparin gegeben werden

  • Gruppe 3: Hohes Risiko
  • Zusätzlich zur vielstündigen Reisedauer sind an Gefährdungsmoment gegeben:

    - Schon einmal erlittene venöse Thromboembolien (Venenthrombose), auch wenn sie bereits länger zurück liegen ("Anamnese" - Krankengeschichte).
    - Bestehende (manifeste) bösartige (maligne) oder sonstige schwere Erkrankung
    - Gelenkübergreifende Ruhigstellung einer unteren Extremität (Gips über ein Gelenk hinweg)
    - Kurz zurückliegender operativer Eingriff mit hohem Thromboserisiko

    Hier gelten schließlich folgende Empfehlungen:

    - Allgemeine Maßnahmen (siehe Gruppe 1)
    - Kompression (Strümpfe, siehe Gruppe 2)
    - Niedermolekulares Heparin zur Selbstinjektion: subkutane Applikation (Injektion unter die Haut) knapp vor Reiseantritt: vor jeder Reise mit erhöhtem Thromboserisiko, bei Rundreisen daher eventuell einmal täglich. Die Dosierung erfolgt in Anlehnung der Prophylaxe von Thrombosen bei internistischen Risikopatienten. (APA/red)

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