Wien: Gemeinderat stritt um Theaterförderung

26. September 2002, 14:32
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Um Rabenhof, um Auersperg

Wien - Ein Antrag der SPÖ auf eine Zusatzförderung in der Höhe von 145.345 Euro für das Rabenhoftheater sorgte am Donnerstag für eine heftige Kontroverse in der Wiener Gemeinderatssitzung.

Die Minderheit aus Grünen, ÖVP und FPÖ, die dagegen stimmte, sprach von "unprofessionellem Umgang mit öffentlichen Geldern" und "parteipolitischer Besetzung" des Direktoriums.

Rabenhof

Die Grüne Gemeinderätin Marie Ringler kritisierte die unklare Vergabe von Fördermitteln an den Rabenhof. Noch vor dem Sommer sei die Höhe der Subvention von der SPÖ im Alleingang beschlossen worden, bereits jetzt müsse wieder nachgeschossen werden, weil das Geld nicht reiche.

Die Besetzung des Direktorpostens mit Karl Welunschek sei laut ÖVP-Gemeinderat Andreas Salcher "parteipolitisch" erfolgt. Die Volkspartei brachte zwei - von der SPÖ abgelehnte - Anträge ein: Einer sah vor, dass im Falle einer weiteren Subvention des Rabenhofs die gleiche Summe auch für andere Klein- und Mittelbühnen zur Verfügung gestellt werden solle. Im zweiten Antrag wurde Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) aufgefordert, den Erhalt der Auerspergbühne sicherzustellen.

FPÖ-Gemeinderat Harald Stefan sprach von einer "parteipolitischen Besetzung" des Direktorpostens des Rabenhoftheaters, das "offenbar eine Sonderstellung" und habe daher jederzeit die Option auf eine Nachsubventionierung habe.

Von Seiten der SPÖ hieß es, die Zusatzsubvention des Rabenhoftheaters sei nötig geworden, weil die erhoffte Subvention vom Bund ausgeblieben sei. Kulturstadtrat Mailath-Pokorny hob die Nominierung der Bühne für den Nestroy-Preis hervor. Er sei dafür, dass ein solches Theater "eine ausreichende Subvention bekommt. Punkt!", so die Stellungnahme des Stadtrats.

Auersperg

Der nicht amtsführende Stadtrat Peter Marboe (V) kritisierte die "immer ungleichere Kulturpolitik" der SP-Regierung. Er führte als Beispiel die Auerspergbühne an, die nach einem Konkurs nun vor der Schließung stehe, obwohl die Kleinbühne für 50.000 Euro weiterbestehen könnte: "Hier tut sich eine unglaubliche Chance auf, weil ein Theaterraum frei wurde."

Der Masseverwalter habe an Mailath-Pokorny ein Angebot gerichtet, dieser habe darauf bisher aber noch nicht reagiert. Marboe nannte zahlreiche prominente Unterstützer für die Kleinbühne, darunter Lotte Tobisch, Gerald Pichowetz, Maresa Hörbiger oder Helmut Lohner.

Dem Antrag zur Auerspergbühne erteilte der Kulturstadtrat eine Absage: Er verstehe nicht, warum "eine ungeheuerliche Anzahl von Krokodilstränen" über das Theater vergossen werde, sagte Mailath-Pokorny. Bisher gebe es außer "drei Anfragen mit jeweils drei Seiten" kein Nutzungskonzept für die Bühne. (APA)

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