Wachstumssegment wird aufgelöst

26. September 2002, 16:41
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Deutsche Börse: Ende für Neuen Markt spätestens 2003 - Radikalumbau geplant - Auch Smax Auslaufmodell

Frankfurt - Die Deutsche Börse AG plant einen radikalen Umbau der Aktienmarktsegmente und löst dabei die Handelssegmente Neuer Markt und Smax auf. In Zukunft werde es ein mit hohen Zugangsvoraussetzungen ausgestattetes Segment "Prime Standard" und ein Einstiegssegment mit dem Namen "Domestic Standard" geben, teilte die Börse am Donnerstag mit.

Mit der Neuregelung werde man für den "Prime Standard" die höchsten Transparenzanforderungen in Europa einführen und so die Positionierung der Firmen bei internationalen Investoren erleichtern, hieß es zur Erklärung. Diese Segmente sollen alle durch die Börsenordnung geregelt sein und nicht - wie bisher der Neue Markt - privatrechtlich. Als nächstes werde der Plan nun dem Börsenrat vorgelegt, die Umsetzung ist für Anfang 2003 geplant.

Skandale

Der Neue Markt war vor fünf Jahren als Handelssegment für Wachstumsunternehmen gegründet worden. Zu Boomzeiten der Internetwirtschaft notierte der Auswahlindex Nemax50 im März 2000 bei 9.665 Punkten. Am Donnerstag lag er noch bei 349 Stellen und hat somit mehr als 95 Prozent seines Wertes verloren. Nach der Euphorie über die "New Economy", während der die Kurse an den Börsen förmlich explodiert waren, hatten diverse Skandale unter anderem um gefälschte Bilanzen den Bedeutungsverfall des Segmentes beschleunigt. Ein Börsenvertreter sagte zu der nun geplanten Umstrukturierung, der Neue Markt sei eine Erfolgsgeschichte gewesen, aber das Merkmal "Wachstum" habe sich im Nachhinein als nicht tauglich erwiesen.

"Verpackung geändert"

Der Chef-Aktienhändler einer deutschen Großbank zeigte sich in einer ersten Reaktion skeptisch: "Da wird doch nichts grundsätzlich Neues herauskommen, man ändert quasi nur die Verpackung." Für die kleinen Werte am Neuen Markt werde es wohl noch schwieriger, Beachtung zu finden. "Einen Imagegewinn sehe ich insgesamt nicht. Auf die Kursentwicklung hat das keinen Einfluss", sagte er.

Innerhalb des "Prime Standards" wird es nach Angaben der Börse die Indizes Dax für die 30 größten Werte, MDax und ein Börsenbarometer für Technologieaktien geben. Der Technologieindex werde ähnlich viele Unternehmen enthalten wie bisher der 50 Werte umfassende Auswahlindex des Neuen Marktes, der Nemax50. Über den Namen dafür sei noch nicht entschieden. Den Neuen Markt, der privatrechtlich organisiert ist, wird es in der jetzigen Form nicht mehr geben. Das Mittelwertesegment MDax und der Technologiewerteindex werden den Angaben zufolge Branchenindizes haben, die sich jedoch nicht überschneiden sollen.

Zulassungsvoraussetzungen

Die Zulassungsvoraussetzungen für "Prime Standard" werden den Angaben zufolge Quartalsberichterstattung, internationale Rechnungslegungsstandards, die Durchführung einer jährlichen Analystenkonferenz und Berichterstattung in englischer Sprache sein. Die Entscheidung, ob eine Aktie im "Prime Standard" vertreten sein solle, treffe das Unternehmen selbst. Sofern die Kriterien erfüllt würden, genüge ein einfacher Antrag. Mindestkriterium für die Zulassung zum "Domestic Standard" werde die Zulassung vom Geregelten Markt sein. Allerdings würden die Zulassungskriterien für den Amtlichen Markt und den Geregelten Markt voraussichtlich stark angenähert. (APA/Reuters)

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    Seit dem Höchsstand im Frühjahr 2000 hat der Neue Markt 95 Prozent an Wert verloren. Spätestens 2003 soll Schluss sein.

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