Erneut Prozess um "Leiche in der Blumenecke"

26. September 2002, 13:00
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Urteil wegen Unklarheit der Zurechnungsfähigkeit wieder aufgehoben

Steyr - Überraschende Wende im Justiz-Verfahren gegen einen 27-jährigen Oberösterreicher, dem vorgeworfen wird, einen Bekannten getötet und Teile der Leiche in einer eigens in seiner Wohnung angefertigten Blumenecke einbetoniert zu haben: Seine Verurteilung - lebenslängliche Haft und Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher - wurde vom Obersten Gerichtshof (OGH) aufgehoben. Der Fall wird deshalb am Landesgericht Steyr nächste Woche neuerlich verhandelt, wie am Donnerstag bekannt wurde.

Die Geschwornen hatten in dem Prozess Anfang des Jahres den Angeklagten wegen Mordes sowie Störung der Totenruhe und Verleumdung einstimmig schuldig gesprochen. Das Urteil wurde aber vom OGH aufgehoben, weil die Geschwornen im Prozess keine ausreichende Möglichkeit gehabt hätten, die Frage der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten zu entscheiden.

Hintergründe

Er hatte am 9. Februar 2001 in seiner Wohnung Streit mit seinem Freund, einem 26-jährigen Antiquitätenhändler. In der Folge habe - so der Staatsanwalt - der Angeklagte den Antiquitätenhändler mit einem Beil niedergeschlagen und dann dem auf dem Boden Liegenden zahlreiche Messerstiche versetzt.

Anschließend habe der Angeklagte die Leiche im Genitalbereich verstümmelt, den toten Körper in der Badewanne "ausbluten" lassen und ihn dann zerstückelt. Die Gliedmaßen habe der Angeklagte in einer eigens dafür errichteten Blumenecke in seiner Wohnung einbetoniert, dort wurden sie nach einem Monat gefunden. Den Rumpf des Toten habe der Angeklagte am Ufer des Steyrflusses vergraben.

Verleumdung

Beim Prozess hatte der 27-Jährige zwar die Zerstückelung der Leiche und das "Verstecken" in der Blumenecke zugegeben, er habe damit aber einen Bekannten "decken" wollen, der in Wahrheit die Tat begangen habe. Die Ermittlungen erbrachten aber keinerlei Anhaltspunkte, dass dieser Bekannte mit der Bluttat irgendetwas zu tun hatte. Weil der Angeklagte diesen Mann des Mordes beschuldigte hatte, wurde er im diesem Verfahren auch wegen Verleumdung verurteilt.

Während der Angeklagte sich vor Gericht als "herzensguten Menschen", aber mit "starkem Ehrgefühl" bezeichnet hatte, konstatierten die Gutachter eine schwerwiegende Persönlichkeitsstörung, verstärkt durch jahrelangen Drogenkonsum. Ein Kriminalpsychologe hatte weiters ausgeführt, es bedeute eine "Art der Machtausübung", wenn ein Täter den toten Körper seines Opfers in seiner Nähe aufbewahre.

Frage der Zurechnungsfähigkeit

In dem neuerlichen Prozess wird es nach Ansicht des Gerichtes nicht mehr um die Frage gehen, ob der Angeklagte die Tat begangen habe, sondern darum, inwieweit er zurechnungsfähig sei. Nur wenn dies zutrifft, kann er für die Tat auch bestraft werden. Bei gänzlicher oder teilweiser Unzurechnungsfähigkeit aber auch, wenn der Beschuldigte als zurechnungsfähig eingestuft und zu einer Haftstrafe verurteilt wird, kann sich das Gericht auch für eine Einweisung in eine Anstalt für psychisch abnorme Rechtsbrecher entscheiden. (APA)

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