"Martin?"

26. September 2002, 18:11
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Schüssel und Bartenstein bei der Caritas: Bei einer Frage nach Arbeits- Genehmigungen verschlug es dem Kanzler die Sprache

Wien - Der Wahlkampf hat auch seine Tücken. So schön für die Spitzenpolitiker aller Couleurs die Begegnung mit dem Volk ist, so unangenehm kann es werden, wenn das Volk dann zu fragen beginnt. Passiert ist das heute Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, als er gemeinsam mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und der steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic das Ausbildungszentrum der Caritas im neunten Wiener Gemeindebezirk (Alsergrund) besuchte.

Zuerst verhielten sich Personal und die Auszubildenden noch artig. Dem strahlenden Kanzler plus Gefolgschaft wurde als Fallbeispiel präsentiert, wie eine Pflegerin einen Kranken vom Bett aus in den Rollstuhl setzt. Neugierige Fragen Schüssels sowie Klasnics fanden freundlichste Beantwortung. So staunte der Kanzler, dass viele der Pflegeschüler ihre Ausbildung neben einem normalen Job vornehmen. Mit bewunderndem Interesse wurde aufgenommen, dass sich eine Schuhverkäuferin umschulen lässt.

Die Sprache verschlug es dem Kanzler allerdings zum Abschluss, als die stellvertretende Direktorin des Hauses ihrer Verwunderung darüber Ausdruck gab, dass einzelne ihrer (ausländischen) Schützlinge angesichts der fehlenden Arbeitsgenehmigung trotz Bedarfs an Pflegepersonal nicht ihren Job ausüben dürften. Schüssels wortkarge Antwort: "Martin?"

Es wird alles ein wenig besser ...

Und so musste der Wirtschaftsminister ran, noch dazu wo der Kanzler gleich anfügte, dies sei ja wirklich schwer zu verstehen. Also sprach Bartenstein denn von politischen Kompromissen bei heiklen Themen und dass durch die gesetzliche Neuregelung mit kommendem Jahr ohnehin alles ein wenig besser werde. Allerdings gestand auch der Minister ein, sich "noch mehr Möglichkeiten gewünscht" zu haben. (APA)

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    Schüssel in der Pflegeschule der Caritas in der Wiener Seegasse

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