Auch Österreich: Ein Land der Insolvenzen

26. September 2002, 14:56
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Bis Ende September 4.000 Pleiten - Allein 730 Ausgleiche und Konkurse beim Bau - mit Grafik

Wien - Die Zahl der Firmenpleiten in Österreich ist weiter angestiegen. In den ersten drei Quartalen schlitterten 4.039 (3.881) Unternehmen in die Insolvenz, das waren um 4,1 Prozent mehr als vor einem Jahr, teilt der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) am Donnerstag mit. Während die Zahl der eröffneten Verfahren gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 2.145 um 0,8 Prozent zurückging, gab es bei den mangels Masse abgewiesenen Konkursanträgen ein deutliches Plus um 10,2 Prozent auf 1.894 (3.881) Fälle. Die geschätzten Verbindlichkeiten sanken um 3,6 Prozent auf 2,598 (2,695) Mrd. Euro. Bei den betroffenen Dienstnehmern gab es einen Rückgang um 9 Prozent auf 19.100 Beschäftigte.

Für den Insolvenzexperten Hans-Georg Kantner ist die derzeitige Situation "alles andere als rosig", aber doch weit entfernt von den Horrorprognosen mancher Volkswirte, die einen bis zu 50-prozentigen Anstieg für 2002 vorhergesagt hatten. Auch im Vergleich zu Deutschland mit einem Plus bei den Firmenpleiten von 28 Prozent zeige Österreich eine "gewisse Stärke". Für das Gesamtjahr hält sich Kantner bedeckt. Erfahrungsgemäß seien es die Monate Oktober und November, wo die Zahlen der Insolvenzen anstiegen. Daher müsse Österreich erst über diese Runde kommen, um ein abschließendes Urteil zum Insolvenzverlauf 2002 geben zu können.

Keine Welle

Die Befürchtungen, dass das Jahrhundertehochwasser zu einer Insolvenzwelle führen werde, hätten sich bis jetzt nicht bewahrheitet. Bis heute, so Kantner, sei keine Zunahme an Pleiten zu erkennen. Durch die rasch beschlossene Hochwasserhilfe sei auch mit keinem dramatischen Anstieg zu rechnen. Es gebe aber zweifellos Firmen mit bereits angespannter Ertragslage, die durch die Katastrophe nun in die Insolvenz schlittern. Andererseits stelle die Soforthilfe für Hochwasseropfer im Ausmaß von 4 Mrd. Euro "einen - wenn auch kleinen - Impuls für die österreichische Wirtschaft" dar. Dieser werde vor allem der Baubranche und dem Baunebengewerbe zu gute kommen.

Größte Firmenpleite im laufenden Jahr war bis jetzt der Konkurs der Buch- und Medienhandelskette Libro mit Passiva von 349 Mill. Euro, gefolgt von dem österreichischen Babcock-Opfer AE Energietechnik in Graz mit 165 Mill. Euro Verbindlichkeiten. Rang drei hält der Ausgleich des Telekomanbieters CyberTron mit Verbindlichkeiten von 61 Mill. Euro.

Geplagte Bauwirtschaft

Nach Branchen gab es mit 730 Ausgleichen und Konkursen die meisten Pleiten in der Bauwirtschaft, gefolgt von der Gastronomie mit 557 Fällen und den Unternehmensbezogenen Dienstleistungen mit 532 Pleiten. Gemessen nach Passiva nimmt ebenfalls die Bauwirtschaft den Spitzenplatz mit 421 Mill. Euro ein. Auf den nächsten beiden Plätzen folgen die Branchen Papier/Druck/Verlagswesen mit 385 Mill. Euro und die Maschinen- und Metallbranche mit 377 Mill. Euro.

Bei den Privatkonkursen gab es in den ersten drei Quartalen gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus um 5,9 Prozent auf 2.869 Fälle. Dabei stiegen die eröffneten Verfahren um 7,7 Prozent auf 2.446 Fälle an, die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge gingen um 3,4 Prozent auf 423 Fälle zurück. Die geschätzten Verbindlichkeiten schrumpften um 12,9 Prozent auf 320,8 Mill. Euro. (APA)

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