Donnerstag war "Tag der Sprache"

26. September 2002, 18:20
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EU-Büro für Sprachminderheiten hat Forderungen

Brüssel - Europa feierte am Donnerstag den "Tag der Sprache". Für das in Brüssel ansässige Europäische Büro für Sprachminderheiten war der Tag nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch zu mahnen: "Europa ist noch weit von einer praktischen Umsetzung der in der Charta der Grundrechte der EU festgelegten Grundsätze entfernt", erklärt Präsident Bojan Brezigar. In Artikel 22 der Grundrechtscharta heißt es: "Die EU achtet die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Sprachen".

"Das Wissen der Europäer um weniger verbreitete Sprachen hat in den letzten zwanzig Jahren zugenommen", konstatiert Brezigar. Doch könne man damit nicht zufrieden sein. Erklärtes Ziel des Büros sind Mindeststandards sprachlicher Vielfalt für den Schutz und die Förderung von Regional- oder Minderheitensprachen. Einen Weg, um dies durchzusetzen, sieht Brezigar in einer Stärkung der Kompetenzen der EU, die klare rechtliche Grundlagen über einzelstaatliche Blockaden hinweg schaffen könnte.

Das Büro für Sprachminderheiten (EBLUL) besteht seit 20 Jahren in Brüssel und kämpft für die Interessen von Angehörigen sprachlicher Minderheiten - im heutigen Europa 40 Millionen Menschen.

Zu bekannten Probleme wie etwa Fragen der slowenischen Minderheit in Österreich kommt etwa Unzufriedenheit von der deutschsprachigen Minderheit in Dänemark, wo das Deutsche nach den Beobachtungen des Büros praktisch völlig aus dem öffentlichen Gebrauch verbannt worden ist. Das besondere Augenmerk von EBLUL liegt auf dem Erhalt und der Pflege von Sprachen, deren Fortbestand gefährdet ist, wie etwa das Jiddische.

Wissenschafter zählen für Europa drei Familien bzw. 14 Gruppen, die sich wiederum in 65 lebende Sprachen unterscheiden. Das Baskische bildet eine in sich geschlossene Einheit. Die größte Gruppe ist das Romanische mit 17 verschiedenen lebenden Sprachen. (APA)

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