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Margit ist die Küchenchefin, Jahr für Jahr streicht sie die renommierten vier Diamanten der Canadian Automobile Association (CAA) ein. So wird "die Wildnis" auch zahlungskräftigem Publikum vor allem aus den USA, Kanada und zu rund 20 Prozent aus Europa näher gebracht.
Unter ziemlich luxuriösen Umständen: Übernachtet wird in einzelnen Blockhütten, die vom gelernten Tischler Markus zu kleinen Knusperhäuschen gemacht wurden - mit offenem Kamin und Salon. Ein wenig erinnert alles an Vorarlberg, auch das große stattliche Blockhaus am Ende der Straße, wo die kleine Herburger-Siedlung beginnt: Schweres Holz schützt das Glashaus, in dem sich die Hausherren Gemüse und Obst ebenso ziehen wie eine ungemeine Vielfalt an Blumen. Es ist ein kleines autarkes Reich, das sie sich geschaffen haben. Und immer mehr Leute folgen den Spuren der Vorarlberger - anfangs wegen der Mundpropaganda, nun auch wegen der Gastrokritik über das sechsgängige Menü.
"Wir tischen den Gästen auch Spätzle oder Sachertorte auf, natürlich Steaks, auch ungarische Kartoffelsuppe oder Leberknödel", sagt Peter Herburger. Und betont: "Wir bieten internationale Küche."- Und den dazu passenden Wein aus Italien, Chile, Kalifornien, Frankreich, Australien und Ontario selbst.
"Die Leute wollen immer mehr Qualität, nicht Quantität", sagt Herburger - und hat sich darauf eingestellt. Das gilt auch beim Angeln: "Gefischt wird nur, was man auch essen kann. Wer mehr aus dem See holt, bringt die Fische um." - Genauso, wie es der kanadische Volkssport vorsieht. Das sei manchem vom Zeitgeist Getriebenen unerklärbar, meint Herburger lächelnd.
"Die Gäste aus Europa sind oft so nervös. Da weiß ich wieder, warum wir ausgewandert sind. Die Leute haben einfach keine Zeit zum Warten." Warten lernen die Gäste bei Herburgers. Auf den Sonnenauf- oder Untergang, auf das Mittagspicknick irgendwo draußen im Wald. So können sie tagsüber die Wildnis spüren, aber sind nie ganz "unbeaufsichtigt", und sie sind trotzdem abends in der glücklichen Lage, den Luxus eines kalifornischen Chardonnay, eines italienischen Espresso oder eines schottischen Scotch zu genießen.
Etwa 200 Meilen südlich, in der Mitte zwischen Herburgers Reich und Toronto, erstreckt sich der 7725 Quadratkilometer große Algonquin Provincial Park, der älteste Nationalpark in Kanada. Besonders attraktiv präsentiert er sich, wenn der Indian Summer die Blätter der Ahornbäume und Buchen in feurigen Farben lodern lässt. Auch Herburger schwärmt davon, "sein See" ist für die Farbenpracht zu nördlich gelegen, die Ahorne sind nur mehr spärlich gesät.
Wer den Indian Summer so richtig genießen möchte, sollte das per Kanu tun. Denn die schönsten Stellen liegen im Inneren des Parks, der fast zur Gänze nur auf dem Wasserwege zu erkunden ist: rot und gelb und orange die Laubbäume, dazwischen das Grün der Tannen und vor allem das glasklare Blau der unzähligen Seen. Auch die Geräusche sind für europäische Ohren gleich fremd wie unvergesslich. In diesen Tagen und Nächten vernimmt das verkehrsgeschulte Ohr nichts, was es schon einmal gehört hätte. Und ist anfangs taub für die Geräusche, das Gesumme, das Gezirpe, das Geratter der Natur. Am Abend breitet sich ein Sternenhimmel aus, der jedes Planetarium alt aussehen lässt. Da erstaunt es nicht, dass Peter Herburger seit Jahren keinen Drang verspürt, nach Österreich zu fahren. Außerdem: Wenn die Herburgers Ferien machen, ist es in der alten Heimat fast genauso kalt wie am Lake Obabika. "Da hau' ich lieber ab nach Florida für ein paar Wochen", meint Herburger und lacht. (Esther Mitterstieler/DER STANDARD, Printausgabe, 27.09.2002)
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