Internationale Branche spürt Aufwind

26. September 2002, 14:29
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Positive Stimmung vor dem Start der Messe

Paris - Nach mehr als zwei mageren Jahren keimt in der internationalen Autoindustrie wieder Hoffnung auf bessere Zeiten. Anlässlich des Pariser Autosalons vermeldeten zahlreiche Konzerne entgegen der weltweit anhaltenden Konjunkturverunsicherung Erfolge bei ihren Kosteneinsparungen und stellten Absatzuwächse in Aussicht. Ob Chrysler, BMW, Toyota, Ford oder Peugeot/Citroen - die ersten Signale bei den Pressekonferenzen vor der eigentlichen Eröffnung der Pariser Autoschau stehen klar auf Aufschwung. Beim Autosalon im März in Genf waren die Autobauer noch etwas zurückhaltender mit ihren Vorhersagen gewesen. Einzig der angeschlagene italienische Autoriese Fiat deutete diesmal an, seine Einsparmaßnahmen möglicherweise verschärfen zu müssen.

Auf der Produktseite dominieren in Paris luxuriöse Karossen und spektakuläre "Life-Style-Fahrzeuge" wie der Geländewagen "Cayenne" von Porsche oder dessen kostengünstigeres Schwester-Modell Touarag von Volkswagen. BMW präsentiert den neuen Roadster Z4, für dessen Produktion der Münchener Konzern kräftig in seine US-Fabrik investieren will. Die US-Tochter Chrysler des Stuttgarter Daimler-Konzerns kündigte zum Auftakt der Medientage an, ihre Ertragsziele für das laufende Jahr deutlich zu übertreffen. Nach den Worten von Firmenchef Dieter Zetsche wird Chrysler auch das dritte und das vierte Quartal mit einem positiven Ergebnis abschließen, nachdem bereits im ersten Halbjahr ein Gewinn von rund 900 Mill. Euro erzielt worden war.

Unerwartete Zuwächse für Chrysler

Mit Milliardenverlusten und immensen Restrukturierungskosten hatte Chrysler dem Daimler-Konzern im vergangenen Jahr noch die Bilanz verhagelt. Eigentlich hatte Chrysler 2002 lediglich das Erreichen der Gewinnschwelle angepeilt, doch dieses Ziel werde "deutlich" übertroffen, bekräftigte Zetsche. 2003 soll das operative Ergebnis auf zwei Mrd. Euro steigen. Auch sehe sich der Hersteller der Marken Chrysler, Dodge und Jeep auf gutem Wege, eine Kostenreduzierung von 15 Prozent bis Ende 2003 zu erreichen.

BMW teilte unterdessen mit, den Absatz in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 19 Prozent auf rund 800.000 Fahrzeuge gesteigert zu haben. Damit hat das Unternehmen schon einen guten Teil seiner erstmals anvisierten Verkaufsmarke von eine Million Wagen unter Dach und Fach. Zugleich sagte Firmenchef Helmut Panke im Reuters-Interview, dass der Absatz der Konzernmarke Mini besser laufe als erwartet. Allerdings werde die erste Generation des Kleinwagens eine geringere Rendite bringen als die angestammten BMW-Modelle. Gleiches gelte für den Anfang Jänner auf den Markt kommenden neuen Rolls Royce.

Auch Ford optimistischer

Auch der in die Krise geratene US-Gigant Ford versprüht wieder Optimismus. Der Absatz im vierten Quartal werde wahrscheinlich ein wenig über den bisher geplanten 960.000 Wagen liegen, sagte ein Sprecher. Auch die Europa-Aktivitäten des Unternehmens würden ihre Ergebnisziele in diesem Jahr leicht übertreffen und wahrscheinlich auch ihren Marktanteil erhöhen, hieß es zudem bei Ford. Die im vergangenen Jahr noch schwer defizitäre Nummer Zwei unter den weltweiten Autobauern zerstreute zugleich Marktängste vor einen möglichen finanziellen Engpass im Zusammenhang mit ihren Unternehmensanleihen. Es gebe keine Signale, dass Ford am Bond-Markt unter Druck stehe, erklärte das Unternehmen. In den USA kursieren Befürchtungen, wonach Ford die Zinsen für künftige Anleihen über den Kopf wachsen könnten.

Steigende Verkaufszahlen bei bei PSA Peugeot Citroen

Auch der noch wenigen Jahren verlustträchtige und als Übernahmekandidat gehandelte Autobauer PSA Peugeot Citroen verwies in Paris auf steigende Verkaufszahlen. Vier Mill. Autos will der französische Konzern 2006 verkaufen, fast ein Viertel mehr als derzeit. Toyota will in Europa ebenfalls mehr Autos als bisher geplant verkaufen und auf dem Kontinent auch früher als bisher erwartet wieder schwarze Zahlen schreiben. Bis 2005 wollen die Japaner mehr als eine Mill. Wagen und damit rund ein Viertel mehr als bisher angekündigt absetzen.

Beim tief in den roten Zahlen steckenden italienischen Autokonzern Fiat waren dagegen weniger optimistische Töne zu vernehmen. Auto-Chef Giancarlo Boschetti deutete die Notwendigkeit weiterer Einsparmaßnahmen an und schloss auch zusätzliche Stellenstreichungen für den Abbau von Überkapazitäten nicht aus. "Unsere Kostenstruktur ist nicht ideal und wir sind mitten in einem massiven Einsparprogramm", sagte Boschetti. (APA/Reuters)

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