Nur Freisprüche im "Beldomo-Prozess"

26. September 2002, 19:38
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Mehr als 2300 Anleger hatten in Immobilien-Scheingeschäften investiert - Immobilienchefs wollen "ohne Vorsatz" gehandelt haben

Wien - Freisprüche für alle Angeklagten im "Beldomo-Prozess", weil es ihnen am "Vorsatz auf unrechtmäßige Bereicherung und Schädigung der Anleger mangelte". Mit diesem Urteil endete am Donnerstag nach mehr als zwei Jahren Dauer der Betrugsprozess gegen ehemalige Manager der Beldomo Immobiliengesellschaft in Wien. Es ging um einen Schaden von 8,85 Millionen Euro.

Mehr als 2300 Anleger haben sich 1996 von hohen versprochenen Renditen aus Immobiliengeschäften und der Aussicht, ihren Lebensabend in einer noblen Seniorenresidenz verbringen zu können, zu Millioneninvestitionen verleiten lassen. So hätte Schloss Pöchlarn im Bezirk Melk zu einer feinen Herberge ausgebaut werden sollen, in der die Anleger Quartier beziehen sollten. Die Sanierung des Schlosses ist nicht zustande gekommen.

Auf der Anklagebank saßen deswegen die Beldomo-Vorstände Peter W. (53) und Romee H. (50) sowie der Wirtschaftsprüfer Walter T. (55) als Beitragstäter. Ein weiteres Mitglied des Vorstands, Alfred H., ist tödlich verunglückt, das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.

Ahnungslose

Zur Begründung des Schöffenurteils erklärte Richter Anton Baumgartner, die Angeklagten hätten den geschädigten Anlegern "sicher nicht alles gesagt" was die Finanztransaktionen anlangt, sie hätten zudem selber wenig vom Immobiliengeschäft und der Abwicklung gewusst. Anlegergelder seien nicht bewusst vernichtet worden, vorsätzliches Handeln habe damit nicht eindeutig nachgewiesen werden können.

Die Staatsanwaltschaft gab zu dem Urteil keine Erklärung ab. Es ist nicht rechtskräftig. Die Geschädigten können nun auf zivilrechtlichem Wege versuchen, zu ihrem Geld zu kommen. (APA, aw, DER STANDARD Printausgabe 27.9.2002)

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