Keine Verhandlungen über Belagerungsende

26. September 2002, 14:27
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Erekat: UNO-Resolution ohnehin bindend - Sharon rechtfertigt Festsetzung Arafats - Über ein Dutzend Tote bei Kämpfen

Gaza/Jerusalem/Hebron - Die Palästinenserführung hat Verhandlungen mit Israel über ein Ende der Belagerung von Palästinenserpräsident Yasser Arafat abgelehnt. Die Resolution 1435 des UNO-Sicherheitsrates sei ohnehin bindend und es gebe deshalb keinen Grund zu verhandeln, sagte Kommunalminister Sajeb Erekat am Donnerstag in Jericho. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon sagte hingegen in einem Zeitungsinterview, einige der Männer, die zusammen mit Arafat in dessen Amtsgebäude in Ramallah eingeschlossen sind, seien "die größten Terroristen, die es gibt."

Israel hat bisher keine Liste mit Namen der Gesuchten vorgelegt, aber erklärt, der meistgesuchte Mann im Inneren von Arafats belagertem Bürogebäude sei Taufik Tirawi, der Leiter des palästinensischen Geheimdienstes im Westjordanland. Nach Angaben der israelischen Armee war Tirawi an der Finanzierung extremistischer Milizen beteiligt und in mehrere Attentate verwickelt. Israel hatte mit der Belagerung auf einen Anschlag in Tel Aviv reagiert, bei dem sechs Menschen getötet wurden.

Sharon tat in dem Interview mit der "Jerusalem Post" die wachsende Kritik aus den USA als Meinungsverschiedenheit unter Freunden ab. Er erklärte weiter, die Palästinenser versuchten, ihre Anschläge gegen Israel vor einem möglichen Angriff der USA auf dem Irak zu intensivieren.

Kampfhubschrauberangriff im Gazastreifen

Bei einem Angriff israelischer Kampfhubschrauber im Gazastreifen wurden unterdessen am Donnerstag mindestens vier Palästinenser getötet. 20 weitere Personen seien verletzt worden, teilten palästinensische Sicherheitskreise am Donnerstag mit. Nach Augenzeugenberichten wurden im Stadtteil Scheich Radwan in der Stadt Gaza drei Raketen auf zwei Autos abgefeuert. Die Palästinenser gehen von einer gezielten Tötung aus. Der Stadtteil gilt als Hochburg der radikal-islamischen Hamas- Bewegung. Bei gewaltsamen Zwischenfällen im Westjordanland und Gazastreifen waren zuvor schon ein israelischer Offizier und vier Palästinenser getötet worden.

Bei anderen Kämpfen wurden am Donnerstag zuvor drei Palästinenser und ein israelischer Soldat getötet. Bei einem militärischen Vorstoß in Jenin erschossen israelische Soldaten am frühen Morgen einen unbeteiligten 50-jährigen Bewohner der Stadt im Westjordanland. Nach Angaben seines Sohnes öffnete der Mann ein Wohnungsfenster, um die Truppenbewegungen zu beobachten. An anderer Stelle im Westjordanland erschoss ein gesuchter Hamas-Milizionär auf der Flucht einen israelischen Offizier. Der Palästinenser wurde von anderen israelischen Soldaten erschossen.

Baby auf Markt getötet

In Hebron im Westjordanland starb ein einjähriges Mädchen, nachdem israelische Soldaten Tränengas auf einen Markt abgefeuert hatten. Nach palästinensischen Angaben wurde das Kind, das in den Armen seiner Großmutter lag, von einer Granate am Kopf getroffen.

Im Gazastreifen erschossen israelische Soldaten einen Palästinenser, der nach Militärangaben bewaffnet war und in die jüdische Siedlung Elei Sinai eindringen wollte. Die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden erklärte, die versuchte Infiltration gehe auf ihr Konto. Ein Sprecher erklärte, die Truppen suchten nach einem zweiten Angreifer. (APA/dpa/AP)

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