Smoking/No Smoking

28. September 2002, 12:40
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Wer sich an Wayne Wangs/Paul Austers wunderbaren kleinen Film „Smoke“ erinnert, wird sich schwer vorstellen können, dass New York drauf und dran ist zur rauchfreien Zone zu werden. Geht es nach den Plänen von Bürgermeister Michael Bloomberg – er war selbst Raucher und hörte vor 20 Jahren auf – soll das Anzünden einer Zigarette bald in sämtlichen öffentlichen Bars und Plätzen verboten werden. Auch wenn die Tabak-Lobby im Big Apple in etwa die Popularitätswerte der „National Rifle Organisation“ genießt, ist dies bei der kolportierten Zahl von einer Million rauchenden Wählern in New York dennoch ein mutiges Unterfangen.

Ein Packung Zigaretten kostet – bedingt durch hohe Steueraufschläge - ohnedies schon 7,50 Dollar – ist also ein wahrer Luxus. Darunter leidet auch die soziale Kontaktaufnahme. Gelegenheitsrauchern ist es zunehmend peinlich in Bars um Zigaretten zu schnorren, ist eine Zigarette mittlerweile doch mehr als 40 Cents wert. Würden die Bars Zigaretten einzeln verkaufen, heißt es, würden sie alleine an den so genannten „cocktail-hour-smoker“ ein Vermögen verdienen. Raucher die aufhören wollen, aber noch nicht ganz können, sind bereit für einzelne Zigaretten bis zu einem Dollar zu bezahlen. Wohin soll das führen?

“Patriotische Pflicht“

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Die liberale „New York Times“ jedenfalls wettert gegen die Pläne des Bürgermeisters und zitiert sogar einen Weltkriegsveteranen. Die Raucher, meint der Rentner, hätten die US-Wirtschaft nach dem Krieg gerettet. Er sehe es daher nachgerade als patriotische Pflicht in Zeiten des schwächelnden Verbrauchervertrauens zum Glimmstengel zu greifen. Allein der Gedanke ans Aufhören wäre Verrat am Land.

Wohltat

Ganz anders argumentiert der „New Yorker“. Das renommierte Wochenblatt sieht in Bloombergs Plänen geradezu eine Wohltat für die Raucher und für die Unterschicht. Zwar sei es zweifellos so, dass das Rauchen am unteren Ende der sozialen Skala am meisten verbreitet wäre und eine Preiserhöhung also ebendort die spürbarsten Auswirkungen hätte. Auf der anderen Seite hätte jedoch eine Untersuchung gezeigt, dass Raucher mit geringerem Einkommen eher dazu neigen aufzuhören, wenn die Preise steigen. Und trägt sich nicht ohnehin jeder Raucher – bewusst oder unbewusst - mit dem Gedanken aufzuhören? Die Raucher, so die Conclusio, würden also von Bloombergs Kreuzzug am meisten profitieren. Wir sind ratlos. (dax)

Nachlese

--> Hoch hinaus, tief hinunter
--> Glückliche Arbeitslose

In der Kolumne "Ökonomie obskur" begeben wir uns ab sofort einmal wöchentlich, jeden Freitag, auf einen Streifzug durch die Randbereiche des wirtschaftlichen Treibens.

Anregungen und Kritik bitte an online.investor@ derstandard.at.

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