Tauender Permafrost bedroht alpine Täler

25. September 2002, 20:25
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"Forum Alpinum" berät Klimawandel

Alpbach - Während der Rückgang der Gletscher seit mehr als hundert Jahren gut dokumentiert ist, beschäftigt sich die Wissenschaft mit den durch den Klimawandel bedingten Veränderungen der Permafrostregionen des Hochgebirges erst seit kurzer Zeit. Beim u. a. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaft veranstalteten "Forum Alpinum" in Alpbach stellte der Schweizer Geograf Wilfried Haeberli ein bis 2001 EU-gefördertes Forschungsprojekt vor, an dem die Schweiz, Norwegen, Schweden, Großbritannien, Deutschland und Spanien, überraschenderweise aber nicht Österreich und Frankreich mitarbeiten.

Permafrost (ganzjährig gefrorene Böden) kommt in den europäischen Gebirgen nicht nur in den Gipfelregionen vor, sondern reicht an nordseitigen Hängen bis in die bewaldete Zone. Haeberli bezeichnet die Gletscher als "sichere Zeiger" für den Klimawandel und nennt den Permafrost "das langfristig Unsichtbare", in dem sich verzögert die Temperaturentwicklung widerspiegle.

Zwei Drittel aller Bergstürze in alpinen Tälern hatten in den letzten Jahren auftauenden Permafrost als Ursache, verweist Haeberli auf die Folgen der Erwärmung für Bewohner alpiner Täler. Das Stadium mit der geringsten Festigkeit ist dabei jenes, in dem Fels, Eis und Wasser in ein reibungsarmes Verhältnis zueinander treten.

Im erwähnten Forschungsprojekt wurden zwischen Spitzbergen und der Sierra Nevada sechs 100 Meter tiefe Löcher gebohrt. Durchwegs reichen die vereisten Zonen bis in diese Tiefe, die Störungen durch Erwärmung bis etwa 50 Meter. Aufgrund der Messungen weiß man, dass sich die Permafrostzone bis in diese Tiefe im 20. Jahrhundert um ein bis zwei Grad und damit "gleich schnell oder sogar schneller" als die umgebende Atmosphäre erwärmt hat. Neben der Lufttemperatur ist für den Permafrost vor allem entscheidend, wie lange im Frühjahr Schnee liegt.

Häeberli sprich von Indizien, den Klimawandel zur Hälfte menschlichem Einfluss zuzuorden. (hs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 9. 2002)

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