Japans Regierung reagiert auf Vertuschungen mit flexiblen Vorgaben

25. September 2002, 20:21
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Tokio - Ein schwerer Vertuschungsskandal in der japanischen Atomindustrie (DER STANDARD berichtete) hat sich weiter ausgeweitet. Wie japanische Medien am Mittwoch aus Firmenkreisen erfuhren, ließ die Betreibergesellschaft Japan Atomic Power einen Atomreaktor in der Provinz Fukui am Netz, ohne den Behörden Anzeichen von Rissen in Rohren zu melden.

Der Fall gleicht dem Skandal um Japans größten Atombetreiber Tokyo Electric Power (TEPCO), bei dem im vergangenen Monat mehrere gefälschte Schadensberichte ans Licht gekommen waren. Bei einem anderen Reaktor wurden nun in 242 der 282 Wasserrohre Risse gefunden, hieß es. Es gebe aber keine Lecks.

Als Konsequenz aus den Täuschungsmanövern will die japanische Atombehörde neue Sicherheitsrichtlinien erlassen, die künftig "zulässige" Schäden definieren, um so den Weiterbetrieb der Atomreaktoren zu ermöglichen.

Die Regierung habe eingesehen, dass es für alte Kernkraftwerke unmöglich sei, die Sicherheitsstandards zu erfüllen, und habe die Auflagen entsprechend flexibel gehand-habt, wie die führende Wirtschaftszeitung Nihon Keizai Shimbun berichtete. Kritiker meinen, genau dies habe zu den nun ans Licht kommenden Problemen geführt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 9. 2002)

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