Ringen um Standard für Digitalkameras

25. September 2002, 19:55
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Mit Auflösungen von 14 und mehr Megapixeln soll Film endgültig abgelöst werden - Olympus und Kodak schlagen hingegen weniger Pixel, dafür eine Neukonstruktion der Optik für dasselbe Ziel vor

Wer noch Zweifel daran hatte, dass die Zukunft der Fotografie in allen Bereichen digital ist, wird bei der weltgrößten Fotomesse, der am Mittwoch eröffneten Photokina in Köln, eines Besseren belehrt. Während sich in den vergangenen Jahren Digitalkameras für den Massenmarkt etablierten, stehen diesmal teure Systeme für Profis im Mittelpunkt.

Hohe Qualitätsanforderungen

Damit soll künftig Film auch in Bereichen mit besonders hohen Qualitätsanforderungen abgelöst werden, wie in der Mode- und Werbefotografie. Diesen Ansprüchen wollen neue High-End-Kameras auf Spiegelreflexbasis (SLR) genügen, die Canon und Kodak vorgestellt haben. Der Bildsensor dieser Kameras hat das Format des traditionellen 35-mm-Films.

Das hat zwei wesentliche Vorteile: Einerseits wächst mit der Größe die Zahl der Bildpunkte und damit der Auflösung. Canons EOS-1Ds-Kamera liefert rund elf Millionen Pixel (Preis ca. 10.000 Euro). Die Kodak DCS Pro 14n, für Nikon-Objektive geeignet, übertrifft dies sogar mit rund 14 Megapixeln, kostet aber nur 6000 Euro. Bisher galten sechs Megapixel als Standard für Profikameras. Andererseits können bei diesen Kameras aufgrund der identischen Größe von Chip und Film vorhandene Objektive der Hersteller weiterverwendet werden - eine wesentliche Kostenersparnis.

Neue Bauweise

Allerdings ist der Weg, Film durch einen Chip in Filmgröße zu ersetzen, umstritten. Mit einem neuen "Vier Drittel" genannten Standard wollen Olympus und Kodak die künftige Entwicklung besser auf die digitale Technik abstimmen. Die unterschiedlichen Eigenschaften von chemischem Film und dem Sensorchip würden eine neue Bauweise von Objektiven erforderlich machen, um zu maximalen Ergebnissen zu gelangen, so Olympus.

Neue Optik

Das Problem besteht darin, dass vor allem bei Weitwinkelobjektiven Licht im schrägen Winkel in die Kamera einfällt. Der chemische Prozess des Films wird davon nicht beeinträchtigt, die Bildpunkte eines Sensors können Licht aber nur registrieren, wenn es möglichst rechtwinkelig auftrifft. Darum würden digitale Kameras eine neue Optik erforderlich machen, die Licht möglichst parallel bündelt.

So liefert ein Chip mit weniger Bildpunkten eine höhere Ausbeute als ein Chip mit mehr Bildpunkten, bei dem aber ein Teil des Lichts nicht registriert wird. Als Chipformat sieht der neue Standard einen Vier-Drittel-Zoll vor (daher der Name), um einiges kleiner als 35-mm-Film. Objektive können daher deutlich kleiner und leichter als bei derzeitigen 35-mm-SLR-Kameras gebaut werden.

Olympus sieht seine EP-20-Kamera, deren Optik nach den Anforderungen digitaler Sensoren gebaut wurde, als Vorläufer dieser Konzeption; Geräte auf Basis des 4/3-Standards sollen nächstes Jahr folgen. (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2002)

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    Für Profis: die EOS 1Ds von Canon mit elf Millionen Pixel.

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    Mit einem 13,89 Megapixel-Sensor: die DCS Pro 14n aus dem Hause Kodak

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