Bürgerwehr attackiert "Zebra"

26. September 2002, 12:09
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Obmann Lozinsek nimmt Flüchtlingsverein wegen Link auf SOS-Mitmensch-Site ins Visier

Graz - Die Jagd auf Grazer Drogendealer hat die umstrittene freiheitliche Bürgerwehr vorerst eingestellt (der STANDARD berichtete.) Nun zieht der blaue Gemeinderat Alexander Lozinsek, nach Helge Endres, der im Juni alkoholisiert einen Autounfall verursachte und zurücktrat, Obmann der Bürgerwehr, gegen die größte steirische Flüchtlingsorganisation "Zebra" zu Felde. Zebra betreut seit nunmehr 15 Jahren jährlich bis zu 2000 - zum Teil traumatisierte - Menschen, die noch nicht Deutsch sprechen, in rechtlichen, sozialen und medizinischen Fragen.

Anfrage an Bürgermeister

In einer Anfrage, die Lozinsek kürzlich im Gemeinderat an den Grazer Bürgermeister Alfred Stingl (SP) stellte, spricht er von Links auf der "Zebra"-Homepage, die "vorsichtig ausgedrückt - Anleitungen zum Rechtsbruch" geben. Dies habe Lozinsek "bei oberflächlicher Durchsicht" entdeckt. Nun will der gelernte Privatdetektiv von Stingl wissen, ob die Stadt ihre Subventionen für Zebra von rund 36.000 Euro pro Jahr einstellen wird. Aus dem Büro des Bürgermeisters hieß es dazu, der Fall werde geprüft, man glaube aber nicht, dass etwas dabei heraus-kommen werde.

SOS-Mitmensch als "Täter"

Bereits sehr intensiv durchforstet wurde die Homepage samt Links und Unterlinks von der Zebra-Geschäftsführerin Edith Glanzer und ihrem Team. Glanzer wundert sich: "Nach sieben Stunden haben wir absolut nichts gefunden." Lozinsek selbst konnte Licht in diese Frage bringen, als er dem STANDARD am Mittwoch verriet, um welche Links es sich handle: "Einerseits hab' ich auf der Seite von SOS-Mitmensch, andererseits auf jener der Asylkoordination Österreich Erschreckendes wie Anleitungen zum Hungerstreik gefunden."

Wolfgang Gulis vom Verein Zebra kontert: "Es wird gerade rechtlich geprüft, ob wir auf Rufschädigung klagen, denn wir lassen uns nicht in einer Anfrage mit Attributen wie ,zweifelhaft' verunglimpfen." In seiner Arbeit werde sich der Verein jedenfalls nicht beirren lassen. Ein neues Projekt mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen läuft diesen Herbst an. Schwerpunkte bei der Arbeit mit den Jugendlichen sind dabei Spracherwerb, Alphabetisierung, berufliche Orientierung, aber auch kreatives Arbeiten im Bereich Theater.

(Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2002)

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