Marketing killte Inhalte

25. September 2002, 21:37
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Schelte für "News"-Medien

Hans-Jörgen Manstein, Chef der gleichnamigen Fachverlagsgruppe, greift für gewöhnlich an, wenn er die Medientage eröffnet. Im Vorjahr den Kanzler für medienpolitische Versäumnisse. Am Mittwoch gleich die ganze österreichische Printbranche. Vor allem aber den Mitveranstalter Verlagsgruppe News.

"Mit dem Einzug des Marketings ging der Tod des Inhaltes einher"

Inhalte waren Motiv für Verleger, erinnert Manstein, nennt als Beispiele "Arbeiter-Zeitung", "trend", "profil". "Und dann kamen irgendwann die Neunzigerjahre und mit ihnen die Marketingexperten." - "Mit dem Einzug des Marketings ging der Tod des Inhaltes einher." Ohne die 1992 begonnene News-Gruppe anzusprechen, kann der Zuhörer auf diese schließen: "Nicht nur wegen des redaktionellen Inhaltes werden Medien heute konsumiert beziehungsweise gekauft, sondern wegen Stereoanlagen, Flugmeilen, Gewinnspielen für Autos, Häuser und so weiter." Mit Gewinnspielen wurde allerdings auch schon die Krone groß, später auch die Ganze Woche.

"Schlanker werden"

Warnt Manstein vor Sparen an Recherche und Journalismus, so ist das Kürzen von Kosten Generalthema bei der ersten Diskussionsrunde zum "Überlebenskampf" der TV-Sender: Ob Werbekrise "schlanker werden", sagt Hans Mahr, RTL. Gilt auch für öffentlich-rechtliche, ergänzt Alexander Wrabetz, ORF. Mediaplaner Klaus-Peter Schulz, OMD Frankfurt, tröstet: "Ich halte die Rezession für gestoppt, die Talsohle für erreicht." Oder, wie Georg Kofler sagt: "Wir sind nach dem Höhenflug auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Das ist immer schmerzhaft." (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 26.9.2002)

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