Streit um Wirtschaftsranking

25. September 2002, 19:12
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VP-Landesrat Paierl wehrt sich - Steirischer SP-Chef Voves spricht von "absolutistisch" regiertem Land

Graz - Das schlechte Abschneiden des Wirtschaftsstandortes Steiermark in einem Ranking der europäischen Regionen wächst sich zu einem schwer verdaulichen Zankapfel zwischen der Landes-SP und -VP aus. Seit dem Amtsantritt von Franz Voves als SP-Vorsitzender im vergangenen März wurde rot-schwarze Harmonie in der Landesregierung demonstriert. Nun beschuldigte Voves, der selbst aus der Privatwirtschaft kommt - er war Finanzvorstand der Merkur-Versicherung - Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl, mit seiner Clusterpolitik, insbesondere dem Autocluster, der Steiermark geschadet zu haben.

Rang 152

Das besagte Ranking, in dem die Steiermark Platz 152 von 214 belegte, ist eine Wirtschaftsstudie des Kölner Forschungsinstitutes "Empirica Delasasse". 1993 und 1998, als das Bundesland noch besser abgeschnitten hatte, "wurde diese Studie von Paierl und Klasnic herangezogen, um positive Bilder zu transportieren, jetzt nennt man sie unseriös", erklärt Voves. Tatsächlich leide vor allem die Obersteiermark unter wachsender Arbeitslosigkeit - etwa in der Elektrobranche. Schuld daran wäre die "absolutistische" VP-Regierung.

"Enttäuscht"

Paierl zeigte sich gegenüber dem STANDARD am Mittwoch enttäuscht über die SP-Attacken: "Es ist halt Wahlkampf. Bisher hat Franz Voves mit mir persönlich gesprochen, jetzt gibt zuerst eine Pressekonferenz." Zur umstritten Studie meint der VP-Landesrat: "Die alte Geschäftsführung soll das Institut Empirica unter Protest verlassen haben. Bei der aktuellen Veröffentlichung wurden gerade steirische Stärken wie Innovation und Technologie nur grob behandelt." Paierl werde sich auch weiterhin für die steirischen Cluster im Bereich der IT-Netzwerke, Holzwirtschaft oder Lifescience einsetzen. Damit unterstütze er indirekt auch steirische Betriebe: "Allein durch den Autocluster profitieren 20 obersteirische Mitglieder im produzierenden Bereich." (cms, DER STANDARD, Printausgabe 26.9.2002)

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