Nachwirkungen eines extremen Uni-Vortrages in Salzburg

25. September 2002, 19:11
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Auftritt des als Geschichtsfälscher geltenden Suworow wurde von Stadt Salzburg mitfinanziert

Salzburg - Ein Vortrag des in London lebenden exilrussischen "Historikers" Viktor Suworow an der Uni Salzburg im Mai 2001 beschäftigt nun die Salzburger Kommunalpolitik. Suworow gilt als Geschichtsfälscher des extrem rechten Randes. Er vertritt die bei Rechtsextremen gängige These, der Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion 1941 wäre ein Präventivkrieg gewesen und einem russischem Angriff nur zuvorgekommen. Hitlers Kriegsprogramm hat in Suworows Konstrukten keinen Platz.

Wie sich nun herausstellt, wurde der Auftritt des revisionistischen "Historikers" von der Stadt Salzburg mit 363 Euro mitfinanziert. Dem STANDARD liegen Unterlagen vor, nach welchen dem Salzburger Wehrgeschichtlichen Museum als Veranstalter "auf Grund einer Entscheidung von Bürgermeister Heinz Schaden (SP, Anm.) ein Organisationsbeitrag gewährt" wurde. Im Antragsschreiben ist übrigens exakt vermerkt, um welchen Vortrag es sich handelt.

Für die SPÖ ist die Causa eher peinlich. Während aus dem von Schaden geführten Kulturressort Gelder für den umstrittenen Vortrag geflossen sind, hat SP-Landtagsabgeordneter David Brenner damals heftig gegen die Veranstaltung polemisiert. Brenner warf dem inzwischen verstorbenen VP-Landtagspräsidenten Helmut Schreiner vor, "ein braunes Süppchen warm zu halten". Schreiner trat als Mitveranstalter auf und eröffnete den Vortrag.

Der Klubobmann der Bürgerliste, Helmut Hüttinger, verlangt nun von Schaden in einer Anfrage Aufklärung darüber, wie es zu der Unterstützung des revisionistischen Geschichtsfälschers gekommen sei und welches Interesse die Stadt daran gehabt habe.

Während auf politischer Ebene der Konflikt weiterkocht, ist die Causa Suworow zumindest juristisch abgeschlossen. Laut Verteidiger Johann Buchner wurden jene Personen, die damals lautstark gegen den Auftritt von Suworow auf der Uni protestiert hatten, vom Vorwurf der Versammlungsstörung rechtskräftig freigesprochen. (neu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9.2002)

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