Webers weiterer Karrieresprung

25. September 2002, 17:23
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FPÖ-nahe neue Ernährungsagenturchefin will "Sacharbeit leisten"

Wien - Drei dicht bedruckte Seiten umfasst Christine Webers Lebenslauf. Die - für viele überraschend - am 18. September zur Kogeschäftsführerin der heimischen Ernährungsagentur ernannte Diplomtierärztin legt ihn gleich zu Beginn des Gesprächs auf den Tisch, als "Informationsgrundlage" für ihren fachlichen Werdegang.

Über genau zwölf Monate, so ist dem Papier zu entnehmen, erstreckt sich Webers Berufserfahrung im veterinärmedizinischen Untersuchungsbereich. Fünf Jahre lang hat sie für die FPÖ Parteiarbeit geleistet, erst als "akademische Mitarbeiterin" Herbert Haupts, dann als Pressesprecherin der Kurzzeit-Sozialministerin Elisabeth Sickl und in der Parteizentrale. Dennoch, so betont die 33 Jahre alte Kärntnerin, sei ihr Background "kein hauptsächlich parteipolitischer". Vielmehr trete sie "als Agenturgeschäftsführin an, um Sacharbeit zu leisten".

Letzten Jänner war die Bestellung Webers zur Direktorin der Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung in Wien durch Sozialminister Haupt auf Kritik gestoßen. Die Hearingkommission habe die junge Frau, so hieß es damals, von der Eignung her an die letzte Stelle gereiht, Haupt entschied sich dennoch für sie. Der Direktorinnenjob sei jetzt wohl ausschlaggebend für den neuerlichen Karrieresprung Webers gewesen, meint der interimistische und nunmehr abgelöste Geschäftsführer Walter Schuller.

SPÖ-Konsumentensprecher Johann Maier betrachtet Webers jüngste Ernennung als "Zeichen blau-schwarzen Postenschachers in Reinkultur". Ähnlich äußert sich Grünen-Konsumentensprecherin Gabriela Moser. Anders der (sozialdemokratische) Zentralbetriebsrat der Ernährungsagentur, Heinz Schmidt: Als Anstaltsdirektorin habe Weber der Belegschaft "einen Aufschwung gebracht". (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 26.09.2002)

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