IWF senkt Wachstumsprognosen

26. September 2002, 09:53
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Internationaler Währungsfonds sieht viele Risiken für die Weltwirtschaft

Washington - Die Weltwirtschaft erholt sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nur schleppend und wird auch im nächsten Jahr kaum an Fahrt gewinnen. Dabei bleibe der Aufholprozess in der Euro-Zone - und insbesondere Deutschland - hinter dem Wachstum in den USA zurück, stellen die IWF-Volkswirte in ihrem am Mittwoch vorgelegten halbjährlichen Weltwirtschaftsausblick fest. Leitzinssenkung

Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte ihren Spielraum für eine wachstumsfördernde Leitzinssenkung nutzen, mahnt der IWF. Für die Weltwirtschaft sieht der IWF zwar wie noch in der Frühjahrsprognose in diesem Jahr ein Wachstum von 2,8 Prozent - 2003 wird aber nur noch eine Beschleunigung auf 3,7 Prozent von bisher vorausgesagten 4,0 Prozent erwartet.

"Die Sorgen über Tempo und Nachhaltigkeit der Erholung sind deutlich größer geworden", heißt es in dem Bericht. Was den Ausblick angehe, gebe es vor allem das Risiko einer Verschlechterung. 2001 war die Weltwirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen. Sinkende Aktienkurse werden nach Einschätzung des IWF in erster Linie die Verbraucherausgaben in den USA belasten und damit das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt bremsen. Die Prognosen des IWF für die USA fielen mit 2,2 (bisher geschätzt 2,3) Prozent und 2,6 (3,4) Prozent dann auch deutlich zurückhaltender als noch im Frühjahr aus.

Pessimismus für Deutschland

Angesichts schwacher Industrieproduktion und privater Nachfrage gepaart mit hoher Arbeitslosigkeit beurteilt der IWF die Wachstumsaussichten für Deutschland pessimistisch: 2002 werde das BIP nur noch um 0,5 statt 0,9 Prozent zulegen und der Aufschwung dürfte 2003 mit 2,0 (2,7) Prozent geringer als noch vor sechs Monaten angenommen ausfallen. "Die Aussichten für Industrieproduktion und Binnennachfrage in Deutschland scheinen besonders ungewiss, und weitere Schwächen dort hätten wichtige Auswirkungen auf Gesamteuropa", warnen die IWF-Volkswirte.

Erholung in der Euro-Zone hinter den Erwartungen

In der Euro-Zone ist die Erholung dem IWF zufolge hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Das habe - ebenso wie der Kursanstieg des Euro - den Inflationsdruck gedämpft. "In diesem Zusammenhang ist der Spielraum für eine (geldpolitische) Lockerung größer geworden und sollte auch genutzt werden, falls die wirtschaftliche Aktivität schwach bleibt und der Inflationsdruck wie erwartet abnimmt." Seit November 2001 beträgt der Leitzins in der Euro-Zone 3,25 Prozent. Mittelfristig müssten die meisten Länder der Euro-Zone ihre Haushaltspositionen verbessern, um dann etwa die hohen Steuerlasten zu senken oder den steigenden Kosten der staatlichen Renten- und Krankenversicherung schultern zu können.

Risiken

Die weltweite Aktienschwäche, der Konflikt im Nahen Osten und nicht zuletzt das exorbitante US-Leistungsbilanzdefizit der USA und der überbewertete US-Dollar bergen nach Ansicht des IWF Risiken für eine nachhaltige Erholung der Weltwirtschaft. Die US-Aktienmärkte "könnten weiter sinken", insbesondere im Falle weiterer Bilanzskandale großer Unternehmen. Sollten die Aktienkurse auf dem derzeit niedrigen Niveau verharren oder es eine Übertreibung nach unten geben, würde das Wachstum entsprechend geringer ausfallen.

Eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten dürfte die Ölpreise in die Höhe treiben und die Wachstumsaussichten eintrüben, stellt der IWF weiter fest. Die Erholung in Lateinamerika sei zudem davon abhängig, ob der US-Konjunkturmotor wieder auf Touren kommt. Japan sei weiter in einer Rezession und kämpfe mit einem fast bankrotten Bankensektor sowie der hohen Verschuldung der Unternehmen. (APA/Reuters)

Konjunkturprognose 2002/2003

BRUTTOINLANDSPRODUKT 2002 (*) 2003 (*)Deutschland 0,5 (0,9) 2,0 (2,7) Industrieländer 1,7 (1,7) 2,5 (3,0) Welt 2,8 (2,8) 3,7 (4,0) G-7 1,4 (1,5) 2,3 (2,8) Europäische Union 1,1 (1,5) 2,3 (2,9) Eurozone 0,9 (1,4) 2,3 (2,9) USA 2,2 (2,3) 2,6 (3,4) Japan -0,5 (-1,0) 1,1 (0,8) Frankreich 1,2 (1,4) 2,3 (3,0) Großbritannien 1,7 (2,0) 2,4 (2,8) Italien 0,7 (1,4) 2,3 (2,9) Kanada 3,4 (2,5) 3,4 (3,6) Russland 4,4 (4,4) 4,9 (4,9) China 7,5 (7,0) 7,2 (7,4) ASEAN-4** 3,6 (3,9) 4,2 (4,1) - (Angaben in Prozent gegen vorherige Periode, real) - * in Klammern die Werte der vorangegangenen Schätzung vom April 2002 - ** umfasst die Länder Indonesien, Malaysia, Philippinen und Thailand

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