Rumsfeld fand "nicht eine Minute" für Struck

26. September 2002, 19:01
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Appell zur Einigkeit beim Nato-Treffen

Warschau/Berlin - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat trotz der jüngsten Bemühungen der deutschen Bundesregierung um eine Verbesserung des Verhältnisses zu den USA an seiner Kritik an Deutschland festgehalten. "Wer im Loch sitzt, sollte aufhören zu graben", sagte Rumsfeld nach dem Nato-Verteidigungsministertreffen in Warschau. Was in Deutschland gesagt und getan wurde, habe in den USA ziemlich starke Reaktionen ausgelöst, sagte Rumsfeld. "Wie sich das in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt, wird man sehen." Die Entscheidung darüber treffe US-Präsident George W. Bush.

Rumsfeld erklärte, er habe für ein Treffen mit seinem deutschen Kollegen Peter Struck in Warschau keine Zeit gehabt: "Ich hatte nicht eine Minute, in der ich nicht vergeben war." Struck nannte er dabei nie mit Namen, sondern bezeichnete ihn nur als "der betreffende Minister".

Der deutsche Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye sagte am Mittwoch in Berlin zu Irritationen mit den USA: "Es wird gegenwärtig mit Geduld und Intensität daran gearbeitet, die Verstimmungen abzubauen." Dies geschehe direkt und unmittelbar, so Heye. Außenminister Joschka Fischer will demnächst nach Washington reisen, kündigte der Sprecher des Außenministeriums an.

Nato-Generalsekretär George Robertson rief die Allianz Angesichts der deutsch-amerikanischen Misstöne zu Geschlossenheit auf. "Das Bündnis muss zusammenhalten", sagte Robertson am Mittwoch in Warschau am Rande der Herbsttagung.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow traf am Mittwoch in Warschau seine Nato-Kollegen zu informellen Gesprächen. Zuvor hatte er die Lage in Georgien als besorgniserregender als die im Irak bezeichnet. "Ich mache mir mehr Sorgen über die Situation an der russisch-georgischen Grenze als über den Irak", sagte Iwanow der polnischen Tageszeitung Rzeczpospolita in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. "Unser Präsident (Wladimir Putin) hat offen gesagt, dass Russland im Falle einer erneuten Aggression keine andere Wahl hätte, als die Terroristen zu bekämpfen und zu zerstören."

US-Außenminister Colin Powell hatte am Dienstag erklärt, Russland müsse selbst entscheiden, wie es sich verteidige. Zugleich sprach er sich jedoch für eine politische Lösung und eine Zusammenarbeit Georgiens und Russlands aus. Zuvor hatte Washington lange vor russischen Militärschlägen gegen georgisches Territorium gewarnt.

Die US-Vorschläge für eine schnelle Eingreiftruppe der Allianz wurden von den Nato-Verteidigungsministern grundsätzlich begrüßt. "Alle haben zustimmend reagiert", sagte ein hochrangiger Nato-Vertreter am Rande des Treffens. (afs/DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2002)

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