Vertuschungsskandal in Japans Atomindustrie weitet sich aus

25. September 2002, 14:13
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Betreibergesellschaft verschwieg Risse in Rohren

Tokio - Ein schwerer Vertuschungsskandal in der japanischen Atomindustrie hat sich weiter ausgeweitet. Wie japanische Medien am Mittwoch aus Firmenkreisen erfuhren, ließ die Betreibergesellschaft Japan Atomic Power (Genden) einen Atomreaktor in der Provinz Fukui am Netz, ohne den Behörden Anzeichen von Rissen in Rohren zu melden.

Gefälschte Schadensberichte

Der Fall gleicht dem Skandal um Japans größten Atombetreiber Tokyo Electric Power (TEPCO), bei dem im vergangenen Monat mehrere gefälschte Schadensberichte ans Licht gekommen waren. Seither reist die Serie von Hiobsbotschaften in Japans Atomindustrie nicht ab.

TEPCO berichtete am Mittwoch von weiteren Rissen in einem Reaktor der Provinz Fukushima. Inspektoren hätten in 242 der 282 Wasserrohre Risse gefunden. Es gäbe aber keine Lecks. Das Atomkraftwerk, in dem sich der Reaktor befindet, war zu Routine-Sicherheitsüberprüfungen heruntergefahren worden. Das Unternehmen hatte einige der Vertuschungsfälle zugegeben und den Rücktritt seiner Spitzenmanager angekündigt. Als Konsequenz aus den Täuschungsmanövern will die Behörde für nukleare und industrielle Sicherheit neue Sicherheitsrichtlinien erlassen, die künftig "zulässige" Schäden definieren, um so den Weiterbetrieb der Atomreaktoren zu ermöglichen.

30 Jahre alte Atomkraftwerke

Zugleich soll es künftig unangemeldete Inspektionen geben. Bisher richten sich die Sicherheitsstandards nach dem Neuzustand der Atomanlagen. Einige Kernkraftwerke sind aber mittlerweile fast 30 Jahre alt. Die Regierung habe eingesehen, dass es für alte Kernkraftwerke unmöglich sei, den Sicherheitsstandards nachzukommen und habe die Auflagen entsprechend flexibel gehandhabt, wie die führende Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" berichtete. Diese Politik des freien Ermessens habe laut einiger Beobachter zu den nun ans Licht kommenden Problemen in den einzelnen Atomreaktoren geführt. (APA/dpa)

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