"Frauen, versammelt euch!"

17. Oktober 2005, 13:14
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Karoline von Perin: Pionierin der österreichischen Frauenbewegung im Jahr 1848

Karoline von Perin-Gradenstein (geb. v. Pasqualati) gilt als die eigentliche Initiatorin der österreichischen Frauenbewegung. Noch vor dem Aufbruch der ersten feministischen Bewegung in der zweiten Hälte des 19. Jahrhunderts gründete sie den "Wiener demokratischen Frauenverein", dessen Existenz "als erstes Aufblitzen der organisierten Frauenbewegung in Österreich" (Hauch 1995) gilt.

Die Konstituierung dieses - ersten politischen - Frauenvereins Österreichs kann als Reaktion auf die gewaltsame Niederschlagung der Wiener Arbeiterinnen-Demonstration am 23. August 1848 ("Praterschlacht") gesehen werden. Nach der erfolglosen Demonstration der Erdarbeiterinnen, denen ein Drittel ihres Lohnes gekürzt worden war, beriefen sie Versammlungen ein, um einerseits das finanzielle Problem durch Geldsammlungen zu lindern, andererseits politische Schritte zu überlegen.

So kam es zur Ausarbeitung von Vereinsstatuten, die von der späteren Vereinspräsidentin Karoline von Perin gezeichnet wurden. Die Verbreitung des demokratischen Prinzips und die Gleichberechtigung der Frauen im Bereich Bildung standen an oberster Stelle. Bemerkenswert ist, dass Männer lediglich als finanzielle Förderer beteiligt sein durften:

  • "Der Verein soll bestehen aus wirkenden (weiblichen) und unterstützenden männlichen und weiblichen Mitgliedern...

  • Herren können nur ausnahmsweise als Ehrenmitglieder bei den Sitzungen zugezogen werden, haben sich aber der Abstimmung zu enthalten..." (Hauch, 1990)

    Nach der Erstürmung Wiens und der Niederwerfung der Oktoberrevolution wurden Karoline von Perin und ihr Geliebter, der Radikaldemokrat Alfred Julius Becher, polizeilich verfolgt und verhaftet. Während Becher erschossen wurde, musste Perin im April 1849 nach München emigrieren, sie verlor jedoch das Sorgerecht für ihre drei Kinder aus einer früheren Ehe und ihr Vermögen wurde konfisziert.

    Damit sie wieder nach Wien zurückkehren durfte, dementierte sie, am Oktoberaufstand aktiv teilgenommen zu haben und ihre programmatischen Aussagen der Ansprüche der Frauenemanzipation. In Wien eröffnete sie ein Stellenvermittlungsbüro, das ihr ein bescheidenes Auskommen ermöglichte.

    Karoline von Perin starb am 10. Dezember 1888 in Neu-Isenburg. (dabu)

    (Quelle: Siedentopf: Lexikon der 1000 Frauen, Köhler-Lutterbeck, Bonn 2000/Hauch: Frau Biedermeier auf den Barrikaden, Wien 1990)

  • Geboren 1808 in Wien
    Gestorben 1888 in Neu-Isenburg
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      Karolin von Perin gilt als Initiatorin und Leifigur der ersten Frauenbewegung in Österreich.
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      In der Revolution von 1848 gingen Frauen auf die Barrikaden und stürmten die RednerInnenpulte, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen.
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