Wörtherseebühne: Steuergelder statt Gewinn

25. September 2002, 19:58
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"Versteckte Subventionen" von Kärnten und Klagenfurt für Betreiber

Klagenfurt - Die Seebühne werde mit einer privaten Betreibergesellschaft satte Gewinne abwerfen, um den Steuerzahler zu entlasten. So lautete das Argument der Verfechter der "Seebühnen-Privatisierung" von FP und VP.

Nun stellte sich heraus, dass die Steuerzahler auch bei der Wörtherseebühnengesellschaft um die FP-nahe Heurigenwirtin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger und den Produzenten Siegmund Kahlbacher tief in die Tasche greifen müssen. Dabei war das Musical "Falco meets Amadeus" nicht einmal eine Eigenproduktion, sondern nur aus Deutschland eingekauft.

Eigentlich wollten FP und VP in der dienstägigen Regierungssitzung ohne viel Aufsehen 66.081 Euro für den Betriebsabgang der Seebühne beschließen. Weitere Recherchen ergaben, dass sich das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt schon bei Vertragsabschluss mit der Wörtherseebühnengesellschaft verpflichtet hatten, neben den Kosten für Bühne (Leasingraten) und Tonanlage auch 100 Prozent der Betriebskosten nach einem 60:40-Schlüssel zu übernehmen.

"Umschichtung"

Der Kärntner Steuerzahler bezahlt für die deutsche "Falco"-Produktion insgesamt ca. 236.405 Euro nur an Betriebskosten. Für SPÖ-Kultursprecherin Nicole Cernic handelt es ganz klar um "versteckte Subventionen". FP-Finanzreferent Karl Pfeifenberger sieht das anders: "Es gibt kein Steuergeld für 'Falco'. Nur eine "haushaltsinterne Budgetumschichtung". Nicht für Betriebsabgänge, sondern für eine vorgezogene Leasingrate. Zudem erließ die Stadt Klagenfurt die Vergnügungssteuer. VP-Bürgermeister Harald Scheucher war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

"Kulturreferent Jörg Haider hat die Bevölkerung hinters Licht geführt, indem er behauptete, die Seebühne könne gewinnbringend bespielt werden", sagt SP-Politikerin Cernic. Während vielen Kärntner Kulturinstitutionen die Gelder gekürzt würden, schiebe man den Seebühnen-Betreibern "das Geld förmlich hinein". Noch dazu, wo Siegmund Kahlbacher im deutschen Oberhausen mit "Falco" "Pleite gegangen" sei. (stein/DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2002)

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